Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Bechterew: Über Erscheinungen, die nach Zerstörungen verschiedener Teile des Nervensystems bei neugeborenen Tieren beobachtet werden, und über die Entwicklung der Gehirnfunktionen bei denselben. Medizinskoje Obosrenje 1890, No 4. Ref. i. Neur. Centralbl. v. Rosenbach
Person:
Kronthal, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14246/1/
Litteraturberichi. 
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J. Gaule. Physiologische Demonstration. CorrespondenzM. f. Schweizer 
Ärzte 1890. No. 10. 
Der „Gesellschaft der Ärzte in Zürich“ stellte Prof. Gaule in 
der Sitzung vom 8. März einen Hund vor, dem er nach dem Vorgänge 
von Goltz die Foci (vulgo Centren) der Vorder- und Hinterpfoten exstirpiert 
hatte, (Die Foci waren durch Aufsuchen der durch den galvanischen 
Strom erregbaren Stellen festgestellt worden.) 
Der Vortragende teilte mit, dafs das Tier durch halbjährige Dressur 
den Einflufs der Intelligenz auf seine Bewegungen wieder¬ 
erlangt habe. In der That gab der Hund auf Kommando die gewünschte 
Pfote, bediente sich beim Ausgraben von versteckten oder eingewickelten 
Fleischstückchen beider Pfoten mit gleicher Leichtigkeit und gab noch 
eine Reihe anderer Proben von durchaus intelligentem Gebrauch seiner 
Vorderpfoten. Allerdings waren seine Bewegungen, wie immer in solchen 
Fällen, plump und von zahlreichen zwecklosen Mitbewegungen begleitet. 
In der Analyse des Phänomens kam G. zu dem Schlufs, dafs, da 
erstens an der Grofshirnrinde als dem Sitze der Intelligenz festzuhalten 
sei, zweitens aber eine restitutio in integrum exstirpierter Teile er- 
fahrungsgemäfs nicht einträte, andere Teile unter Bildung neuer 
Verbindungsbahnen die Rolle der verlorenen Foci über¬ 
nommen haben müfsten. 
Gegen diese Ansicht wurden vornehmlich zwei Bedenken erhoben. 
Das eine richtete jj sich gegen die Ausbildung neuer Nervenfasern unter 
Hinweis auf die zahlreichen, gewöhnlich nicht benutzten Reservebahnen 
des Gehirns, die nur „ausgeschliffen“ zu werden brauchten (Honegger). Das 
zweite gab dem Zweifel Ausdruck, ob hier wirklich die ganze motorische 
Rindenregion der Pfote entfernt sei. Vermutlich sei ein Teil nicht nur 
der Pyramidenbahn, sondern auch der zugehörigen Rinde, vor allem 
des wegen seiner tiefen Lage der Reizung und Entrindung schwer zu¬ 
gänglichen sulcus calloso-marginalis stehen geblieben. Demnach läge 
keine Bildung neuer Faserverbindungen vor, sondern nur eine Wieder¬ 
aufnahme der Thätigkeit seitens jener durch die Operation vorüber¬ 
gehend funktionell (cirkulatorische Störungen) geschädigten Regionen 
(v. Monakow). 
Der Vortragende erklärte, unter Aufrechterhaltung seiner Ansicht, 
den Hauptwert darauf legen zu wollen, dafs von den Leistungen des 
Hundes Akt genommen werde. Was anatomisch wirklich im Gehirn 
vorläge, werde er durch nochmalige Absuchung des Gehirns mittelst des 
elektrischen Stroms und durch postmortale mikroskopische Untersuchung 
feststellen, Alfr. Lewandowski (Berlin). 
W. Bechterer. Über Erscheinungen, die nach Zerstörung verschiedener 
Teile des Nervensystems hei neugeborenen Tieren beobachtet werden, 
und über die Entwickelung der Gehirnfunktionen bei denselben. 
Medizinskoje Obosrenje 1890. No. 4. (Ref. i. Neur. Centralbl. v. Rosenbach). 
Die Operationen an markhaltigen Teilen des Gehirns von neuge¬ 
borenen bringt dieselben Effekte hervor, wie bei erwachsenen Tieren, 
an den marklosen Teilen aber fehlen sie häufig oder sind gemildert.
        

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