Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Biach: Aristoteles, Lehre von der sinnlichen Erkenntnis und ihre Abhängigkeit von Plato. Philos. Monatsheft 1890, Bd. XXVI, Heft 5 u. 6
Person:
Bruns, Heinrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14215/1/
Littera lurbericht. 
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mystischen G rundan schau irrigen, die ihm die Kraft verleihen, und seine 
Begeisterung schöpft er aus dem direkten Verkehre mit seinem Gotte, 
der sich ihm offenbart. Daher die wirkliche Begeisterung für den reinen 
Glauben, die ihn wenigstens zur Zeit seines Aufenthaltes in Mekka be¬ 
herrschte und die seiner Sprache den poetischen Schwung und die Kraft 
verlieh. 
Späterhin, in Medina, trat eine andre Aufgabe an ihn heran. Er 
war nicht mehr blofs der Bote Allahs, der den reinen Glauben verkündet, 
er war auch Gesetzgeber, Krieger und Politiker geworden, und der Koran 
wird zum Gesetzbuch, die poetische Sprache der ersten Periode wird zur 
praktischen Prosa, die kurze Sure zur längeren Verordnung. 
Dafs damit auch die Begeisterung mehr und mehr nachliefs, die ihn 
während der Zeit des Bingens getragen, ist erklärlich, deshalb aber die 
Überzeugung, er sei ein Bote Allahs, für die Wahnidee eines Verrückten 
zu erklären, der nach einer vierjährigen Krankheit genesen sei, scheint 
mir doch etwas bedenklich. 
Von den krampfartigen Anfällen wissen wir zu wenig; auch in Be¬ 
zug auf sie möchte ich eine epileptische Grundlage ablehnen. Ekstatische 
Zustände, das, was man früher „Verzückungen“ nannte, sind bei christ¬ 
lichen Heiligen eine so gang und gäbe Erscheinung, dafs man sie 
auch Mohammed zu gute halten und nicht sofort als Epilepsie ztf- 
rechnen sollte. 
Um auf die vorliegende kleine Schrift zurückzukommen, so kann 
ich mein Urteil nur wiederholen, dafs sie nicht eigentlich gehalten, was 
sie versprochen, nämlich eine „psychologische Studie“ zu sein. 
, Pelman. 
A. Biach. Aristoteles, Lehre von der sinnlichen Erkenntnis und ihrer 
Abhängigkeit von Plato. Philos. Monatsheft. 1890, Bd. XXVI. Heft 5 u. 6. 
Zweck der Abhandlung ist der Nachweis, dafs Aristoteles’ Lehre 
von der sinnlichen Erkenntnis in allen Hauptpunkten von Plato abhängig 
sei. Dies darzulegen, mag in der gröfseren nicht publizirten Schrift, 
von der dieser Aufsatz (vgl. S. 5) ein umgearbeiteter Teil ist, versucht 
worden sein. Hier kommt nach einer sehr summarischen Vergleichung 
der allgemeinen aristotelischen und platonischen). Bestimmungen über die 
Empfindung eigentlich nur noch das „Gedächtnis“ ausführlicher zur 
Sprache. Denn der dritte Abschnitt über die Phantasie behandelt von 
dieser nur die „Erscheinnngen, welche wir mit dem Worte Phantasie 
verknüpfen“. Wenn diese Gegenüberstellungen auch nicht ohne Wert 
sind, so wird doch niemand behaupten wollen, dafs mit dem hier Gege¬ 
benen das unwahrscheinliche Besultat erbracht werden könne, „dafs A. 
auch in der Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, trotzdem er einige 
Punkte genauer ausführt, vollkommen auf den Schultern Platos stehe.“ 
Hierzu müfsten doch wohl erstens die keineswegs nur in Äufserlich- 
keiten voneinander abweichenden Erklärungen der einzelnen Sinne 
wissenschaftlich verglichen sein und vor allem müfste der Verfasser sich 
mit den fundamentalen Verschiedenheiten der beiderseitigen psycholo-
        

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