Bauhaus-Universität Weimar

Uber Vergleichungen von Tondistanzen. 
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dafs der so präparierte Wert r' irgend einmal die wahre oder 
auch nur wahrscheinliche Empfindungsmitte darstellt? Ab¬ 
gesehen von allen übrigen Manipulationen liegt, soviel ich ver¬ 
stehe, schon im Ausgangspunkt eine Verwechselung oder Er¬ 
schleichung. Es sollte doch beurteilt werden, ob der Ton 
subjektiv, für die Empfindung, in der Mitte liegt. Ob also 
ein Urteil in dieser Beziehung richtig oder falsch ist, das 
kann nicht durch sein Verhalten zur Mitte der Schwingungs¬ 
zahlen definiert werden; es sei denn unter der Voraussetzung, 
dafs die subjektive mit der objektiven Mitte zusammenfällt, 
was doch erst bewiesen werden soll. Wenn wir die Empfin¬ 
dungsmitte schon kennen, so kann auf diesem Wege etwa 
bestimmt werden, wie fein das Urteil eines Beobachters ihr 
entspricht, wie grofs die Fehler sind, und es kann daraus viel¬ 
leicht weiter auf die Unterschiedsempfindlichkeit geschlossen 
werden. Aber mit welchem Recht die Empfindungsmitte selbst 
so erschlossen werden könne, leuchtet nicht ein. 
Nehmen wir einmal an, die Empfindungsmitte (E. M.) liege 
in der Tonreihe unterhalb der absoluten Reizmitte (R. M.\ und 
es haben sich für einen Ton MVJ welcher zwischen E. M. und 
R. M. liegt, 
T E.M. M„ R.M. II 
die Urteilsanzahlen ergeben: 20 u, 50 m, 30 o, so berechnet 
sich r' — 20 -j- 25 = 45. Dies wären die „richtigen Fälle“ : sie 
wären aber sämtlich in Bezug auf die Empfindungsmitte falsch. 
Nehmen wir an, dafs ein Beobachter ausschliefslieh und 
genau so, wie er empfindet, urteile, und dafs unter Voraus¬ 
setzung der gleichen Lage von E. M. der veränderliche Ton 
M„ gerade mit Tl. M. Zusammenfalle, so würden sich ergeben : 
— u, —m, 100 o. Danach r' — 0: und doch wären alle Urteile 
in Bezug auf die Empfindungsmitte richtig. 
Nun kann man sagen : r und f und r1 sind Buchstaben, 
algebraische Werte, und müssen nicht auf die Begriffe von 
Wahr und Falsch bezogen werden. Sie sind nur rechnerische 
Hilfsmittel zur Vereinfachung der Tabellen. In der That ist 
eine Vereinfachung möglich, da die dritte Kolumne nur das 
Complement der beiden ersten zu 100 ist und diese selbst 
durch die beiden, zunächst dann allerdings willkürlichen, For- 
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