Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf. 
3. Bei unmusikalischen Tonkombinationen wurde 
die musikalische Mitte des nächstliegenden musika¬ 
lischen Intervalls als Empfindungsmitte angegeben; 
doch auch hier mit gröfseren Schwankungen als heil. 
4. Wo überhaupt eine gröfsere Bestimmtheit des 
Urteils hervortrat, also wo eine musikalische Mitte 
deutlich vorhanden war, da waren es die musikalisch 
begabteren und geübteren Beobachter, welche diese 
bestimmten Urteile abgaben, während die Tabellen 
der Unmusikalischen die gröbsten Schwankungen nnd 
Unregelmäfsigkeiten zeigen. 
Kurz, bis in alle Einzelheiten werden uns die Tabellen 
verständlich, wenn wir das musikalische Intervallbewufstsein 
im eigentlichsten Sinn als mais gebend betrachten. 
Wenn irgend etwas, so ist dies durch Lorenz’ Versuche 
bewiesen; wie es sich ja schon aus Wundts Referat deutlich 
erkennen liefs. Man mufs anerkennen, dafs Lorenz selbst auf 
diesen Einflufs an zahlreichen Einzelheiten aufmerksam macht 
und denselben in nicht weniger denn 15 Einzelreihen unver¬ 
kennbar findet. Ich kann seinen Ausführungen darüber (S. 94 f., 
ferner 66 f., 99 f.) nur zustimmen. 
Lorenz meint jedoch aus einigen Fällen erschliefsen zu 
dürfen, dafs die Klangverwandtschaft „sich doch nicht überall 
geltend mache, wo die Verhältnisse der Schwingungszahlen es 
ihr gestatten“, und fährt nun ganz in WüNDTschem Tone fort: 
„Damit wird um so deutlicher die Thatsache bewiesen, dafs 
für die Auffassung der Töne in erster Linie nicht die Ver¬ 
hältnisse der Schwingungszahlen, sondern die absoluten Unter¬ 
schiede der Schwingungszahlen in Betracht kommen.“ (S.96.) 
Man traut seinen Augen kaum, wenn man nach so starken Zuge¬ 
ständnissen mit solcher Zuversicht und Allgemeinheit einen 
solchen Schlufs gezogen findet. Und was ist es, das diese 
Wendung bewirkt? 
Erstlich die Tab. XIX (oben d). Hier könne von einem Einflufs 
des Ganztonintervalls nach den Versuchsergebnissen nicht die 
Rede sein. Warum nicht? Die Maximalwerte von m liegen alle 
um den Ganzton (900) herum, soweit sie nicht mit ihm zusammen¬ 
fallen. Aufserdem, da die absolute Mitte der Schwingungszahlen 
ebenfalls 900 ist, so sind ja alle Schwankungen und Abweichungen 
vom Ganzton zugleich ebensolche von der absoluten Mitte!
        

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