Bauhaus-Universität Weimar

Über Vergleichungen von Tondistanzen. 
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Eine musikalische Mitte ist hier aufs unzweideutigste 
gegeben in der Oktave. Ahe Welt hatte darum, solange man 
zwischen Distanz und Intervall nicht unterschied, die Oktaven 
als gleich grofse Distanzen bezeichnet, und jeder theoretisch 
Unvorbereitete thut es noch heute. Dies ist ja der stärkste Be¬ 
weis für die Gewalt der musikalischen Erfahrungen. 
Wenn nun trotzdem die Oktave in Tab. XX und XXI 
(in XXII wurde sie nicht vorgelegt) fast in keinem einzigen 
Fall als Mitte anerkannt wurde, so ist klar, dafs man sich 
diesmal, wo die Versuchung s. z. s. am nacktesten herantrat, 
ausdrücklich und kräftig dagegen gestemmt hat, während man 
ihr in den früheren Fähen, wo sie versteckter auftrat oder (wie 
beim Dreiklang) nicht viel Spielraum liefs, unterlag. Dies ist 
das Erste, was sich aus den Tabehen erkennen läfst. 
Das Zweite ist aber, dafs mit Aufgabe jenes Stützpunkte» 
das Urteil fast ganz seinen Halt verlor: Zeichen dessen die 
jammer würdigen Schwankungen der Lage des Maximums, be¬ 
sonders in den zwei letzten Tabellen, und die sonstigen Un- 
regelmäfsigkeiten jeder Art, die in den vollständigen Tabellen 
noch krasser hervorspringen. Da folgen sich z. B. in XXI 
unter M I die m-Werte: 0, 0, 20, 15, 5, 20, 10, 0, 13, 13, 10, 
15, 8, 10, 40, 0, 0, 0. Ähnlich XXII unter Ls I u. s. f. Man 
erhält den Eindruck, dafs das Maximum nur zufähig da liegt, 
wo es liegt. Und welche Maxima! Das gröfste in allen drei 
Tabellen ist 50, in der letzten Tabelle 30. Das heifst, im 
günstigsten Fall wurde der bezügliche Ton eben so oft für die 
Mitte als nicht für die Mitte erklärt. 
Drittens läfst sich erkennen, dafs die Töne, denen das 
Maximum zufiel, fast durchgehends über der absoluten Reiz- 
mitte liegen. Beweisen die Zahlen hier überhaupt etwas, so 
beweisen sie gegen die Theorie Wundts und des Verfassers. 
Die Urteile, welche zum Vorschein kommen, sind im 
einzelnen wieder oft sehr schwer begreiflich; z. B. dafs in 
Tabelle XXII sogar 676 = etwa f2 von dem Beobachter M 
noch 20 % mal für die Mitte zwischen c1 und c3, 40 % mal 
sogar für näher an c1, auch von Ls 30% mal für näher an c1 
erklärt werden konnte. 
Es ist nicht anzunehmen, dafs hier wieder für den tieferen 
Grenzton dessen Oktave eingetreten sei. Denn gerade diese 
Tabehe bezieht sich auf Töne der mittleren Region ; auch wäre
        

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