Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie der Kausalität. 
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gesehen. Aueli das genügt, dafs Blumen, die nicht Bosen waren, 
aber mit Bosen etwas wahrnehmbar Gemeinsames hatten, andere 
Farben zeigten. Oder ich weifs, andere Bosen wachsen auf 
anderem Boden, in anderer Umgebung, in anderem Licht, er¬ 
fahren andere Pflege, oder sind sonst irgendwie von der jetzt eben 
gesehenen verschieden. Und auch an diese unterscheidenden 
Momente haben sich erfahrungsgemäfs andere Farben geknüpft. 
So stehen der einen Association nicht eine, sondern unzählige 
Gegenassociationen gegenüber. Kein Wunder, wenn die Asso¬ 
ciation nicht mehr wirkt, was sie, blofs sich selbst überlassen, 
wirken würde. 
In ähnlicher Weise finden die meisten Associationen, die 
wir knüpfen, ihre Gegenassociationen schon vor. Sie sind schon, 
indem sie geboren werden, nicht mehr für sich oder sich selbst 
überlassen, können also nicht mehr die in ihrer Natur lie¬ 
gende Wirkung vollbringen. Nicht an ihnen, sondern nur an 
den jungfräulichen, noch von Gegenassociationen freien, können 
wir diese Wirkung erproben. 
Aber es scheint fast, als könne es nach dem eben Gesagten 
für uns gar keine solchen „jungfräulichen“ Associationen mehr 
geben. Dann wäre unser Versuch, die Kausalität auf Associa¬ 
tion zurückzuführen, hinfällig. Die kausalen Associationen, d. h. 
diejenigen associativen Beziehungen, die wir als ursächliche 
bezeichnen, können ja gewifs nur unter den „jungfräulichen“ 
gesucht werden. Denn giebt es eine Erfahrung, die mit einem A 
ein non-B verbunden zeigt, so kann nach jedermanns Meinung 
A nicht Ursache des JB sein, wenn es auch seine Teilursache 
sein mag. 
Nun hat auch die rote Farbe der Bose, von der wir vorhin 
sprachen, ihre Ursache. Sie besteht — wenn wir von Licht 
und Auge, ohne die es gar keine Farbe gäbe, absehen — all¬ 
gemein gesagt — in der Konstitution der Bose. Die Associa¬ 
tion zwischen dieser „Konstitution“ und der roten Farbe müfste 
also eine in ihrer zwingenden Wirkung durch keine Gegen¬ 
association gestörte sein. Und doch scheinen, nach Obigem, 
solche Gegenassociationen nicht fehlen zu können. Auch die Kon¬ 
stitution unserer Bose, so gut wie ihre Gestalt, hat ja etwas 
allen Bosen Gemeinsames. Und dieses „Gemeinsame“ hat sich 
in der Erfahrung oft genug mit anderen Farben verknüpft. Ich 
bin also auch bei der in Bede stehenden Bose genötigt, diesem 
Zeitschrift für Psychologie. 19
        

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