Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie der Kausalität. 
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nötigende Kraft. Die nötigende Kraft mnfs, wenn sie nicht 
mehr da sein soll, aufgehoben werden. — Dafs Associationen 
wirken in dem Mafse, als man sich ihnen „überläfst“ oder sie 
sich „überlassen“ sind, sagt alles. Eine ganz und gar sich über¬ 
lassene Association, also eine Association in einem Geiste, der 
im übrigen aller Erfahrung baar wäre, müfste durchaus zwin¬ 
gende Kraft haben. 
Dies giebt aber auch im Grunde jeder zu. Jeder wenigstens, 
der das Kausalgesetz zugiebt. Angenommen, ich hätte alle 
gleichzeitigen und vorangehenden Umstände eines Thatbestandes 
festgestellt, es läge also der ganze gleichzeitige und voran¬ 
gehende Weltzustand mir deutlich vor Augen. Müfste ich dann 
nicht annehmen, dafs bei Wiederkehr eben dieses Weltzustandes 
derselbe Thatbestand von neuem sich einstellte? Würde es 
nicht dem „Kausalgesetze“ widersprechen, wenn in dem zweiten 
Falle der Thatbestand ein anderer wäre? 
Und angenommen, ich hätte nicht alle Umstände festge¬ 
stellt. Ich wüfste aber einstweilen nichts von der Existenz 
anderer als der festgestellten Umstände. Sie existierten in Wirk¬ 
lichkeit, aber nicht für mich. Oder ich wüfste von ihnen, ver- 
stattete ihnen aber für einen Augenblick auf mein Denken 
keinerlei Einflufs. Dann wäre es für mein Denken ebenso gut, 
als ob sie nicht existierten. Die festgestellten Umstände waren 
für mein Denken alle Umstände. Ich müfste also wiederum 
annehmen, dafs die Wiederkehr der Umstände mit der Wieder¬ 
kehr des Thatbestandes verbunden sei. Darnach trägt einzig mein 
Wissen, es gebe noch andere Umstände, und die Wirksamkeit 
dieses Wissens die Schuld, wenn ich die Annahme nicht machen 
mufs. Abgesehen davon, also an sich hätte die Association 
auch hier zwingende Kraft. 
Ich appelliere noch bestimmter an das „Kausalgesetz“. Jede 
Veränderung eines Thatbestandes fordert ihre Ursache. Sie 
fordert genauer als Ursache eine Veränderung, auf die sie un¬ 
mittelbar folgt, also eine Veränderung innerhalb des Komplexes 
der gleichzeitigen und vorangehenden Umstände. Nun betrachte 
man diese verursachende Veränderung als nicht geschehen. Es 
bleiben dann die unveränderten Umstände. Unter Voraussetzung 
derselben ist die Veränderung des Thatbestandes undenkbar; ich 
mufs sie also in Gedanken aufheben, d. h. den unveränderten 
Thatbestand in Gedanken fortbestehen lassen. Mit einem
        

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