Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie der Kausalität. 
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schied der objektiven, logischen oder Erkenntnisgründe. Alle 
Erkenntnis ist objektiv begründetes Vorstellen bezw. Verbinden 
von Vorstellungen. Bei der lediglich formalen Erkenntnis be¬ 
steht der objektive Grund im Dasein eines Bewufstseinsinhaltes, 
bei der materialen oder Erfahrungserkenntnis im engeren Sinne 
bestellt er im Bewufstsein der objektiven Wirklichkeit eines 
Bewufstseinsinhaltes. 
Die materiale oder Erfahrungserkenntnis ist Natur- oder 
psychologische Erkenntnis. Es ist eine der gefährlichsten er¬ 
kenntnistheoretischen Illusionen, dafs es materiale, insbesondere 
Naturerkenntnis geben könne, ohne den Gedanken einer vom 
Bewufstsein unabhängigen Wirklichkeit. Jede Beschreibung 
einer solchen Erkenntnis bewegt sich in einem Widerspruch 
mit sich selbst. 
Es ist aber das Bewufstsein der objektiven Wirklichkeit, 
wie es nach dem Gesagten bei der materialen Erkenntnis 
vorausgesetzt ist, selbst Erkenntnis und materiale Erkenntnis. 
So ist das bei der Erkenntnis der Blondhaarigkeit des be¬ 
stimmten Menschen vorausgesetzte Bewufstsein der objektiven 
Wirklichkeit des vorgestellten Individuums auch ein Akt ma¬ 
terialer Erkenntnis. Darnach haben wir innerhalb der materialen 
Erkenntnis wiederum zwei Arten, oder besser zwei Stufen zu 
unterscheiden: ich weifs, dafs A B ist; und ich weifs, dafs A 
ist. Diese Erkenntnis ist die Voraussetzung jener, d. h. ich 
mufs mit dem A das B verbinden, nur unter der Voraussetzung, 
dafs A als der Welt der objektiven Wirklichkeit zugehörig ge¬ 
dacht wird. Thue ich dies nicht, sondern betrachte A als blofse 
Vorstellung, so kann ich statt des B ebensowohl jedes beliebige 
won-B mit A verbinden. Wir wollen die blofse Erkenntnis, dafs 
etwas objektiv wirklich ist, also das einfache Bewufstsein der vom 
Bewufstsein unabhängigen Existenz primitive Erkenntnis nennen. 
Der Name rechtfertigt sich eben daraus, dafs solche Er¬ 
kenntnisse bei jeder sonstigen materialen Erkenntnis voraus¬ 
gesetzt sind. Was der primitiven Erkenntnis auf dem Gebiete 
der blofs formalen Erkenntnis entspricht, ist nicht wiederum 
Erkenntnis, sondern das blofse Dasein von Vorstellungen. Die 
Erkenntnis von der Gröfse der Winkelsumme des Dreiecks 
setzt lediglich das Dasein von Dreiecken in der Vorstellung 
voraus. 
Das Urteil ist der einzelne Akt der — wirklichen oder ver- 
Zeitschrift für Psychologie. 
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