Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie der Kausalität. 
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aus, unter denen sie geschieht, wir müssen also A in Gedanken 
verneinen, wenn wir die Umstände in Gedanken aufheben. 
Damit ist aber niemals das Dasein oder die Natur des Dinges 
bezw. die unter anderen Umständen sich vollziehende Wirkung 
mit aufgehoben. Oder ist dies der Fall, dann gestehen wir 
ebendamit zu, dafs die „Wirkung“ A Mitursache ist des Dinges 
oder seiner Beschaffenheit, bezw. dafs sie Mitursache ist der 
Wirkung B. Im letzteren Falle stehen A und B im Verhältnis 
der Wechselwirkung; jedes ist Ursache oder Mitursache des 
anderen. 
So ist die Wahrnehmung der Farbe eines Dinges, die für 
das gemeine Bewufstsein Wirkung ist der dem Dinge anhaften¬ 
den Farbe, vielmehr Mitursache derselben: erst in unserem 
Wahrnehmen kommt die Farbe zu stände. So ist, wenn zwei 
Atome zu einem Molekül sich verbinden, jedesmal der relative 
Ort des einen Wirkung und zugleich Mitursache des relativen 
Ortes des anderen. 
Noch ein anderes mögliches Mifsverständnis schliefse ich 
aus. „Die Einführung einer gewissen Dosis Arsenik in den leben¬ 
den menschlichen Körper ist Todesursache; aber auch, wenn ein 
Mensch sich nicht mit Arsenik vergiftet, stirbt er. Die Auf¬ 
hebung der Ursache hebt also die Wirkung nicht auf“. — Hier 
liegt wiederum eine Ungenauigkeit des Ausdrucks vor. Nicht 
ohne Bedacht habe ich gesagt, die Aufhebung der Ursache 
nötige uns, in jedem gegebenen Falle auch die Wirkung 
aufzuheben. Wirkung des Giftes ist nun in jedem gegebenen 
Falle nicht der Tod, sondern ein bestimmter, vor allem zu 
bestimmter Zeit eintretender Tod. Angenommen, in einem be¬ 
stimmten Falle wäre der Tod ebenso und in derselben Weise 
eingetreten, auch wenn das Gift gefehlt hätte, dann könnte 
nach jedermanns Meinung das Gift nicht als Ursache des Todes 
bezeichnet werden. 
So dürfen wir dabei bleiben, unsere Begriffsbestimmung 
der Ursache für zutreffend und vollständig zu halten. Sie 
schliefst vollkommen genau die Bedingungen in sich, unter 
denen wir von einem ursächlichen Verhältnisse sprechen. Wird 
man nicht daraus schliefsen müssen, dafs sie auch den vollstän¬ 
digen Sinn des Kausalbegriffes in sich schliefse? Was ist denn 
am Ende der Sinn eines Begriffes anders, als der Inbegriff der 
Bedingungen, unter denen wir ihn anwenden?
        

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