Bauhaus-Universität Weimar

Sie ästhetischen Gefühle. 
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Gefühle haften entweder unmittelbar an der Modifikation des 
körperlichen Zustandes, ohne dafs zu ihrem Zustandekommen 
ein vorgängiger Bewufstseinszustand erforderlich wäre, oder aber 
die ihnen entspringenden Gefühle haften als Gefühlston an Be- 
wufstseinszuständen, d. h. an Vorstellungen, Strebungen oder 
auch an anderen Gefühlen, welcher letztere Punkt erst im 
weiteren Verlaufe deutlich werden kann. 
Nach dem anderen Einteilungsprinzip beruhen die in Rede 
stehenden Grundbedürfnisse entweder auf realen, inhaltlichen 
Erfordernissen unsrer Organisation, oder sie sind Punktions¬ 
bedürfnisse, die im Gegensätze gegen die inhaltlichen auch 
formale genannt werden können. Die Thatsächlichkeit dieser 
letzteren, für unsre Untersuchung besonders bedeutsamen Be¬ 
dürfnisgruppe rnufs nachdrücklich behauptet werden; es mufs 
behauptet werden, dafs die zunächst im Dienste der inhaltlichen 
oder materialen Bedürfnisbefriedigung fungierenden Organe, An¬ 
lagen, Fähigkeiten daneben ein selbständiges Punktionsbedürfnis 
besitzen, das sich auch da, wo durch die Punktion einem ma¬ 
terialen Bedürfnis genügt und materiale Lust geschaffen wird, 
zugleich in rein formaler, wenngleich nicht deutlich unter¬ 
scheidbarer Punktionslust manifestiert, dafs ferner diese 
Funktionslust auch da vorhanden ist, wo die ma¬ 
teriale Wirkung der Affektion Unlust ist, oder wo 
ein materiales Interesse bei der Punktion nicht ins Spiel kommt. 
Für den Fall der Nichtbefriedigung des Punktionsbedürfnisses 
hat natürlich jene Lust in einer entsprechenden Unlust ihr 
Seitenstück. 
Durch Kombination dieser beiden Einteilungsprinzipien 
erhalten wir zunächst das Gebiet der materialen körper¬ 
lichen Grundbedürfnisse, das in die Bedürfnisse der 
Normalität der Körperreize und der Sinnesreize zerfällt. Nur 
diejenige Lust und Unlust kommt hier in Betracht, die unmittelbar 
und ausschliefslich dem Reize entspringt. Im empirischen Seelen¬ 
leben kommen diese Gefühle nur in Verbindung mit gleich¬ 
zeitig entspringenden seelischen Gefühlen vor und können nur 
durch eine künstliche Abstraktion für die Perzeption isoliert 
werden. 
Die körperlichen Funktionsbedürfnisse, die die zweite 
Gruppe bilden, machen sich nur insoweit gesondert geltend, als 
sie nicht schon durch die materialen Prozesse ihre Deckung
        

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