Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die kleinsten wahrnehmbaren Gesichtswinkel in den verschiedenen Teilen des Spektrums
Person:
Uhthoff, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14193/3/
Uber die kleinsten wahrnehmbaren Gesichtswinkel. 
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einander zu vergleichen, Versuche, die bis dahin im reinen 
spektralen monochromatischen Lichte noch nicht ausgeführt 
worden waren. Die Prüfung mit den früher benutzten Snellen- 
schen Haken schien für diesen speciellen Zweck nicht ganz 
auszureichen. Nach Vorschlag von Prof. Koenig, der mich auch 
bei diesen Versuchen in gütigster Weise unterstützte, wurde von 
dem Mechaniker Noehden im physikalischen Institut ein ganz 
feines Drahtgitter angefertigt, in welchem die einzelnen feinen 
Drähte genau um ihre Dicke auseinander standen. Es wurde 
dies in der Weise erreicht, dafs 2 ganz gleich starke Drähte 
nebeneinander aufgewickelt wurden, worauf dann später der 
eine wieder abgerollt ward. Die Messung mit der Teilmaschine, 
welche Prof. Koenig ausführte, ergab für den einzelnen Draht 
und Zwischenraum ein Durchschnittsmafs von 0,0463 mm und 
von der Mittellinie eines Drahtes bis zur Mittellinie des anderen 
gerechnet, also eine Entfernung von 0,0926 mm. Die Versuchs¬ 
anordnung war im übrigen eine analoge wie die in meiner 
letzten Arbeit (v. Graefes Arch. f. Ophthalm. XXXVI., pag. 37) 
abgebildete. Vermittelst eines grofsen mit zimmtsaurem Äthyl¬ 
äther gefüllten Prismas und Linsen von entsprechender Gröfse 
wurde ein Spektrum von etwas mehr als 20 cm Länge erzeugt. 
In der Ebene dieses Spektrums befand sich ein verschiebbarer 
Metallschirm mit einer ungefähr 3 mm im Durchmesser enthal¬ 
tenden Öffnung. Dem durch die Öffnung hindurch blickenden 
Beobachter erschien dann die Prismenfläche in derjenigen 
Spektralfarbe leuchtend, welche dem auf die Öffnung fallenden 
Spektralteil entsprach. Auf einer Schnurbahn konnte zwischen 
Auge und Prisma das oben beschriebene Gitter entfernt und 
genähert werden. So war es also möglich, in einem rein 
monochromatisch spektral erleuchteten gröfseren Felde den 
kleinsten Gesichtswinkel für die Stäbe und Zwischenräume des 
Gitters aufzufinden. Im ganzen wurden bei 7 verschiedenen 
Wellenlängen des Spektrums auf diese Weise die gröfstmög- 
lichen Sehschärfen festgestellt sowohl für das Auge von Prof. 
Koenig als für mein eigenes, natürlich mit jedesmaliger genauer 
Korrektion des Auges. Die Helligkeit wurde so gewählt, dafs 
bei einer weitern Steigerung derselben keine Verminderung 
des kleinsten wahrnehmbaren Gesichtswinkels eintrat, wovon 
wir uns jedesmal durch den direkten Versuch überzeugten. 
Um diese Intensität zu erzeugen, mufste für die Wellenlängen
        

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