Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung und Lokalisation von Schwebungen und Differenztönen
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14189/14/
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Karl L. Schaefer. 
wie sich nach den angestellten Betrachtungen von selbst 
versteht. 
Diese Voraussetzung wird nun durch die Versuche vollauf 
bestätigt. Denn nimmt man 
8. zwei Gabeln auf Resonanzkasten, deren eine ganz leise 
tönt, während die andere möglichst stark angeschlagen wird, 
und deckt die Kasten über die Ohren, so hört man deutlich 
den Differenzton aus dem Kasten der leiseren kommen :1 wenn 
es nämlich gelingt, bei dem Versuche gerade das Optimum der 
Intensitätsdifferenz der Primärtöne zu treffen. Dies ist einer¬ 
seits sehr schwierig bei Mangel von Gabeln, deren Intensität 
sich zahlenmäfsig abstufen und dann konstant erhalten läfst, 
andererseits notwendig in Rücksicht auf die bereits besprochene 
Abhängigkeit der Intensität des Differenztones von dem Inten¬ 
sitätsunterschied der Primärtöne. Daher denn die sehr häufigen 
Mifserfolge der Richtigkeit der Thatsache keinen Eintrag thun 
können. 
Es steht im Gegenteil zweifellos fest, dafs der Differenzton, 
wenn eine der Gabeln unbeweglich vor einem Ohre gehalten 
wird, und die andere von dort aus in irgend einer Richtung 
um den Kopf herum zum Ohre der anderen Seite wandert, bei 
jeder Lage der letztgenannten Tonquelle gehört werden kann. 
Die Tartinischen Töne unterscheiden sich also in dieser Bezie¬ 
hung keineswegs von den Schwebungen und haben vielmehr, 
wie wir gesehen, auch das mit denselben gemein, dafs sie wie 
diese2 am besten hörbar sind, wenn beide Gabeln vor dasselbe 
Ohr placiert werden, weniger gut, wenn eine in die Median¬ 
ebene versetzt, und noch schlechter, wenn Verteilung auf beide 
Ohren vorgenommen wird. 
1 In dieser Beziehung scheinen auf den ersten Blick die Tartinischen 
Töne in einen Gegensatz zu den Schwebungen zu treten, von denen 
oben (Ahschn. I) gesagt wurde, dafs sie unter gleicher Bedingung 
auf die Seite des lauteren Primärtones verlegt werden. Indes verliert 
dieser Gegensatz den Charakter des Principiellen, wenn man überlegt, 
dafs der a. a. 0. für die in Eede stehende Lokalisation der Schwebungen 
angegebene Grund keine Gültigkeit mehr hat, sobald der Abstand der 
Primärtöne rücksichtlich ihrer Höhe hinreichend grofs wird, um an die 
Stelle von blofsen Intermittenzen des lauteren derselben einen neuen 
Ton, den Differenzton, treten zu lassen. 
* Fechner, a. a. 0. S. 541.
        

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