Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die innerliche Sprache und ihr Verhalten zu den Sinneswahrnehmungen und Bewegungen
Person:
Aubert, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14179/2/
Die innerliche Sprache und ihr Verhalten zu den Sinneswahrnelmuugen. 53 
das Auge gemacht werden; 4. Wirkungen der schreibenden 
Hand. Hartley hat über die Associationen der Wörter mit 
den Gegenständen und Ideen beim Erlernen der Muttersprache 
und fremder Sprachen eine grofse Anzahl treffender Ausein¬ 
andersetzungen gemacht. In neuerer Zeit ist die Untersuchung 
der Momente, welche die Vorstellungen unserer Sinnes- und 
Denkthätigkeit mit den Bewegungsvorstellungen der Laut- 
und Schriftsprache vermitteln, durch die Beobachtungen über 
Aphasie und Agraphie wieder angeregt worden, und nament¬ 
lich die Pathologen haben diese Untersuchungen, deren Bedeu¬ 
tung für die Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane 
besonders Stricker1 hervorgehoben hat, unternommen und 
Avesentlich gefördert. 
Erst durch die Beobachtungen der Pathologen konnte sicher¬ 
gestellt, werden, dafs Aphasie und Agraphie ohne Störungen 
des Intellektes oder der Seelenthätigkeit auftreten, dafs sie ohne 
Lähmungen der Sinnesnerven, ohne Lähmung der beim Sprechen 
und Schreiben in Betracht kommenden Muskeln oder motorischen 
Nerven stattfinden, dafs Aphasie vorhanden sein kann, ohne 
dafs die Fähigkeit, Empfindungen und Gedanken durch die 
Schrift auszudrücken, irgend beeinträchtigt ist. Dahingehörige 
Beobachtungen findet man bei Kussmaul2, Bernard3 4 u. a., 
meist als „Aphemie“ bezeichnet. — In entsprechender Weise 
kann eine Unfähigkeit, zu schreiben, eintreten, ein Zustand, 
welchen Ballet (1. c. pag. 137) treffend „Aphasie der Hand“ 
nennt, welcher für gewöhnlich „Agraphie“ genannt wird, — 
Häufig und genau beobachtet sind Fälle von „Alexie“, bei 
welchen geschrieben, gesprochen, alle Obliegenheiten des ge¬ 
wöhnlichen Lebens prompt besorgt werden können, nur die 
Fähigkeit, Geschriebenes oder Gedrucktes zu lesen, eingebüfst 
ist. Die Alexie wird auch als cécité verbale, als Wortblind¬ 
heit (Kussmaul 1. c. pag. 174, Bernard 1. c. pag. 69, Charcot, 
1 Stricker: Studien über die Sprachvorstellungen. Wien, 1880. pag. 26—50 
und 92—100. 
2 Kussmaul: Die Störungen der Sprache, in v. Ziemssens Handbuch 
der Speciellen Pathologie und Therapie. Bd. XII, Anhang pag. 157. 
a Désiré Bernard : De VAphasie. 2. Ausgabe. Paris, 1889. pag. 118 u. f, 
4 Charcot: Neue Vorlesungen über die Krankheiten des Nervensystems 
übersetzt von Freud. Leipzig und Wien, 1886. pag. 124.
        

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