Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das Sehen: Aus Thomson's Annals of philopsophy, Vol. X, 1817, p. 17-29
Person:
Campbell, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14178/5/
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wave, «liefe wiederholt anbringen muffen, um hierdurch 
zu bewirken, dafs eine, dem unterfuchten Gegenftande 
gleiche Nervenfläche zufammengedrückt würde. Immer 
ergiebt lieh leicht, wie auf diefe Weife die Vor fiel lun- 
gen von Umfang und Geftalt durch das Gefühl entftehen. 
Unftreitig haben wir oft Empfindungen, deren Stelle wir 
nicht beftimmt unterfcheiden können. Bekanntlich kla¬ 
gen Amputirte bisweilen über Schmerzen in dem abgenom- 
menen Gliede, indeffen dies hängt von einem krankhaf¬ 
ten Zuftande der Nerven und von Ideenaffociationen ab, 
und kann nichts gegen den allgemeinen Satz beweifen, 
dafs die Nerven die Oertlichkeit der Veränderungen, 
Welche fie mittheilen, beftimmen. Ich fchliefse daher, 
dals, wenn ich einen zwei Zoll langen Körper berühre 
und mit den Fingern drücke, ich die Ausdehnung des 
Druckes wahrnehmen werde, weil ich wahrnehme, wo 
diefer aufhört. Wird der Körper um die Hälfte verkürzt, 
fo werde ich die Verminderung des Umfangs wahrnehmen. 
Ich kann Reid (Inquiry into the human mind p. 121.) 
nicht zngeben, dafs die Entftehung der Vorftellung von 
Umfang durch das Gefühl durchaus unerklärlich ift. Of¬ 
fenbar würde keine Vorftellung von einer relativen Aus¬ 
dehnung in einem gegebnen Falle möglich feyn, wenn 
nicht ein Maafsftab vorhanden wäre ; allein eben fo un- 
läugbar ift, dafs ein Blinder eine verfchiedne Vorftellung 
von einer Kugel und von einem Drei- oder Viereck haben 
mufs. Diefe Verfchiedenheit ift darin begründet, dafs 
dort die zufammengedrückte Nervenfläche rund, hier 
eckig ift. Allerdings würde er nicht, wie in dem vorher 
angenommenen Falle, die Körper oder die durch lie afii- 
cirte Nervenfläche mit der Fläche feines eignen Körpers 
oder des gewöhnlich zu Beftimmung der Gröl'se angewand¬ 
ten Theiles, des Fufses, vergleichen können, wohl aber 
unter einander, und fo ihre verhältnifsmäfsige Gröfse er¬ 
kennen. Was aber kann der genauefte Beobachter in 
Bezug auf Umfang lernen, als dafs éin Körper grölser 
oder kleiner oder ungefähr gleichgrofs als ein andrer ift? 
Aus der genauen Uebereinftimmung zwifchen dem Um¬ 
fange eines Körpers und der gedrückten Nervenfläche er- 
giebt fleh, wenn wir gleich zugeftehn , dafs die Idee eines 
Rreifes mit dem Gegenftande felbft fo wenig übereinkommt,
        

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