Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über negative Empfindungswerte: Briefliche Mitteilungen an W. Preyer
Person:
Fechner, Gustav Th.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14172/6/
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ff. Th, Fechner. 
der Empfindung zusammenfallen) eben deshalb nicht mit Null¬ 
werten der Empfindung, weil die Mathematik solche Werte 
nicht verwechselt, und sollte meinen, dafs Sie, wenn Sie die 
Notwendigkeit solcher Unterscheidung in der Mathematik an¬ 
erkennen, schon durch die Konsequenz sich dann genötigt 
finden müfsten, solche auch in der Verwendung der Mathe¬ 
matik in der Psyehophysik anzuerkennen, oder mit dieser Ver¬ 
wendung die Psyehophysik selbst fallen zu lassen. Aber Sie 
finden keinen Anhalt der Vorstellung für eine solche Unter¬ 
scheidung im Empfindungsgebiete. Sie sagen: „Entweder hat 
die Granglienzelle eine Empfindung oder sie hat keine.“ Und 
ich selbst sage: sollte die Empfindung an sich, abstrakt von 
ihrer physischen Unterlage betrachtet werden, so wäre jener 
Unterschied nicht zu machen oder gleichgültig; aber so ist es 
ja nicht, vielmehr ist es gerade die Abhängigkeit des Psychischen 
von der physischen Unterlage, womit sich die Psyehophysik 
beschäftigt, sind es die physischen Entstehungsbedingungeil 
der Empfindung, die sie durch ihre Formeln unter sich fassen 
will. Da aber ist es nicht gleichgültig, ob eine Empfindungs- 
gröfse mit Null bezeichnet wird, wo der geringste Zuwachs der 
unterliegenden psychophysischen Bewegung positive Empfindung 
hervortreten läfst, oder mit gröfseren oder geringeren negativen 
Werten, wonach erst gröfsere oder geringere Zuwüchse der 
physischen Bedingung dazu nötig sind. Auch gewinnt eine 
„Entfernung der Empfindung vom Dasein“, die ich als negative 
Empfindung fasse, und die bei einer abstrakten Empfindung 
keine angebbare Bedeutung hätte, als Funktion der allgemeinen 
Daseinsbedingungen der Empfindung und nach dem Zusammen¬ 
hänge mit den Entstehungsbedingungen der positiven Em¬ 
pfindung allerdings einen bestimmten Sinn. Sie sagen: man 
könne sich unter „negativen Farben, negativen Tönen“ nichts 
vorstellen. Gewifs nichts unter negativen physischen Farben 
oder Tonschwingungen, — die aber in der Psyehophysik gar 
nicht Vorkommen, da selbst den negativen Empfindungen noch 
positive Werte psychophysischer lebendiger Kraft zugehören, — 
wohl aber unter negativen Empfindungen von Farben, 
Tönen, wenn man sie in angegebener Weise fafst. 
Meinerseits scheint mir das gerade eine schöne Eigenschaft 
der Mafsformel, dafs sie in mathematischem Zusammenhänge 
mit dem Mafse der wirklich vorhandenen Empfindung zugleich
        

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