Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über negative Empfindungswerte: III, IV und Nachtrag
Person:
Ebbinghaus, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14164/2/
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H. Ebbinghaus. 
Aber diese richtige Vorstellung von der Sache wirkt nur 
sozusagen im geheimen und aufs er an diesem einen Punkte nur 
gelegentlich einmal1 ; sie ist nicht recht deutlich zum Bewufst- 
sein gekommen und nicht konsequent durchgeführt. Die ein¬ 
fache Folgerung z. B., dafs, wenn das Differential eines Empfin¬ 
dungswertes die Empfindung einer sehr kleinen Distanz sei, 
dafs dann notwendigerweise ein endlicher Empfindungswert die 
Empfindung einer gröfseren Distanz sein müsse und gar nichts 
anderes sein könne, findet sich nirgendwo klar und bündig aus¬ 
gesprochen in den Elementen der Psychophysik. An einer 
Stelle der Briefe klingt ein solcher Gedanke einmal an. „In 
der That aber fasse ich die negativen Empfindungen nicht als 
Entfernungen vom Dasein schlechthin, sondern .... als 
Entfernungen vom Nullpunkte eines Daseins, was quantita¬ 
tiver Bestimmungen fähig ist, und ebenso die positiven Empfin¬ 
dungswerte nicht als daseiende Empfindungen schlechthin, deren 
Quantität aufser acht fällt, sondern als Entfernungen von dem¬ 
selben Nullpunkte des Daseins nur in entgegengesetztem 
Sinne . . . ,“2. Allein diese Auffassung ist doch wesentlich 
eingeschränkter als die richtige und der Behandlung der eben¬ 
merklichen Unterschiede zu Grunde liegende. Letztere sind 
1 Z. B. noch einigermafsen bei der 3ton Ableitung der logarithmi- 
schen Formel, Eiern, d. Psychophysik, II, S. 36. 
2 S. diese Zeitschr., I, S. 35/36. Zu vollerer Durchführung ist 
dieser Gedanke gelangt in der letzten Publikation Fechsers kurz vor 
seinem Tode: „Über die psychischen Mafsprinzipien und das Webersche 
Gesetz“ in Wundts Philos. Studien, IY, S. 179 ff. (1887). Wundt hatte den¬ 
selben Gedanken schon seit der 2. Aufl. seiner Physiolog. Psychologie 
(1880) deutlich herausgearbeitet. Er interpretiert das logarithmische. 
Gesetz ganz in dem Sinne, dem ich selbst folge: „Die Merklichkeit 
einer Empfindung wächst proportional dem Logarithmus des Beizes“ und 
fügt dann hinzu, dafs die Merklichkeit gemessen werde durch die Ent¬ 
fernung der Empfindung von ihrem der ßeizschwelle entsprechenden 
Nullwerte nach oben und nach unten (a. a. O. S. 358). Die Abweichung 
gegen die 1. Aufl. wird auf die Anregungen der TANNERvschen Kontro¬ 
verse (1878) zurückzuführen sein, an der sich ja Wundt beteiligte. Aber 
er hat dem Druck dieser Kontroverse nur sozusagen um ein ebenmög¬ 
liches Minimum nachgegeben und sie nicht in ihre unabweislichen Kon¬ 
sequenzen verfolgt. In allen übrigen Punkten, wie z. B. auch in Bezug 
auf die negativen Empfindungen, ist er wesentlich bei Fechner stehen 
geblieben. Die unten (S. 468 f.) folgenden Ausführungen über Nullwert 
und Nullpunkt der Empfindungen und über die Hereinziehung der 
Schwelle richten sich daher auch gegen die WtWDTSche Darstellung.
        

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