Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Scheintod: Aus den Mém. de Turin f. 1809-1810, Turin 1811, p. 67-85
Person:
Rossi, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14145/6/
T.a dürfen, als niemand bei vom Scbeintode durch Ertrin¬ 
ken oder Athmen irrefpirabler Gasarten geretteten Perfo¬ 
rten wiffen kann, in welcher Lage lieh der Kehldeckel 
während des Scheintodes befand, den man bei wirklich 
auf diefe Weife Geftorbenen aufrecht hebend fand. In 
Bezug auf die Frage, ob beim Ertrinken Waffer in die 
Lungen dringt, glaube ich, dais, fo lange ein Thier blofs 
fcheintodt ift, höchftens. etwas Wafferdunft im Anfänge 
der Krämpfe, nachher aber, während des Scheintodes, 
nichts weiter eindringt, erft mit dem wirklichen Tode 
der Kehldeckel lieh wieder aufrichtet, und nun das Waf¬ 
fer eintritt. Das Umkehren des Körpers von Ertrunkenen 
ift daher unnütz und fchädlich, unnütz, weil, wenn es 
zu einer Zeit gefehieht, wo febon Waffer in die Lunge 
drang, der Tod fclion eingetreten ift, fchädlich, weil, 
wenn es früher angewandt wird, der Tod eben durch 
diefe Stellung erfolgt. 
Folgende Refultate glaube ich aus meinen Unter- 
fuchuiu'en ziehen zu dürfen. 
I. Beim Scheintode durch Waffer ift der Kehldeckel 
immer niedergedrückt. Das Einblafen von Luft durch 
in die Nafe oder den Mund gebrachte krumme Böhren, 
ift entweder unnütz oder gefährlich: erfteres, wenn der 
Kehldeckel nach erfolgtem wahren Tode aufrecht fteht, 
letzteres, weil man beim Scbeintode diefen Tlieil noch 
tiefer in den Kehlkopf einzudrücken Gefahr läuft. Da 
nun der Mangel der atmofphärifchen Luft die Hauptur- 
fache des Scheintodes ift, fo tnufs man fogleich die Laryn¬ 
gotomie oder Tracheotomie machen, um fchnell Luft in die 
am'meiften leidenden Lungen dringen zu laffen, und da¬ 
durch auf doppelte Weife , durch ihren fpecififchen Reiz 
und durch den mechanifchen Stofs, womit he eingetrieben 
wird, auf lie einzuwirken. Zugleich ift der Galvanismus 
anzuwenden. 
II. Ift die mit andern Mitteln gebrauchte Tracheo- 
oder Laryngotomie ohne Erfolg angewandt worden, fo 
war das Thier fchon todt und der Kehldeckel befiimmt 
aufgerichtet, das Einblafen von Luft durch Mund und 
'Nafe unnütz. 
M, d. Archiv, 111, 4. 
Ss
        

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