Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Summation elektrischer Hautreize
Person:
Stirling, William
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit1414/64/
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Dr. William Stirling 
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bewegten Pendel würden die Enden anderer Nerven in Erre¬ 
gung versetzt werden, sobald die lebendige Kraft des Schlages 
eine gewisse Grenze überschritten hat. Ein drittes, ähnlich 
gekuppeltes Pendel würde einen schwingenden Complex dritter 
Ordnung darstellen können. Um den vermehrten Stoffverbrauch, 
zumal bei secundärenund tertiären Auslösungen zu erklären, muss 
man die gewiss berechtigte Complication in unser Bild einführen, 
dass in dem Momente, wo die Kräfte des secundären oder auch 
tertiären Pendels genug gesteigert sind, um in den Nervenenden 
einen Bewegungsvorgang einzuleiten, dort eine Art Explosion 
stattfindet, die den Bewegungsimpuls nach der Peripherie sendet, 
aber auch mit auf das Centrum zurückwirkt. 
Wärmeentwickelung und Säureproduclion mögen die zeit¬ 
weise Abstumpfung der centralen Erregbarkeit mit verschulden. 
Durch häufige Entladungen wird das ganze System schwerer be¬ 
weglich ; so müssen die Uebertragungen von einem zum anderen 
vibrirenden Systeme sehr lange währen, ehe die für eine Aus¬ 
lösung genügende Kraft bis zum zweiten oder 3ten gelangt ist. 
Aber es braucht auch nicht die Erschöpfung der centralen 
Theile die Schuld an der Unwirksamkeit der Hautreizungen zu 
tragen : Es können auch die peripheren Haulnerven den Dienst 
versagen und dadurch den elektrischen Impulsen die Brücke 
zum Centrum unwegsam machen. 
Dies kann man leicht erkennen, indem man vom anderen 
Schenkel aus die Reflexerregbarkeit des beobachteten Schenkels 
prüft. Häufig, wenn sehr starke Hautreize in grossen Intervallen, 
ohne viel Effect eingewirkt haben, findet man die centrale Erreg¬ 
barkeit erhalten. Meine Erfahrungen reichen nicht aus, um die 
interessante Frage zu entscheiden, ob die unerregbar gewordenen 
Hautnerven das Centrum gar nicht mehr beeinflussen. 
Es bleibt mir jetzt noch ein wichtiger Punct zu erörtern, 
welcher für das Princip der Summation von fundamentaler Be¬ 
deutung ist. 
Wir haben bisher die Reflexe betrachtet, insoweit sie als 
Effecte summirter elektrischer Hautreize auftreten, wir haben 
die Momente hervorgehoben, welche den gesuchten Effect er¬ 
möglichen , begünstigen oder benachtheiligen. Es fragt sich 
nun, ob denn überhaupt ein Reflex ohne Summation von Reizen 
zu Stande kommen kann. Es scheint dies unfraglich. Ein
        

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