Bauhaus-Universität Weimar

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Wir dürfen daher diefe Definition von Organi¬ 
sation , mit Recht aus dem Reiche des Phyfifchen in 
das Reich der moralifchen Organifation verwerfen. An 
ihre Steile fetzen wir folgende: 
Unter Organifation verßehen wir jene Einrichtung 
eines Naturkörpers, vermöge welcher die das Ganze 
(den Organismus) zufammen fetzenden heterogenen 
Theile in ungleicher Unterordnung unter gewiffe Cen¬ 
tral- oder Radicaltheile ftehen, und dadurch eine 
größere oder geringere Selbßftündigkeit erringen. 
Der Organismus ift alfo ein Ganzes, deffen peripherifche 
Theile in ungleicher Unterordnung unter den Central- 
theilen ftehen. Diefe Centraitheile find bei den Pflan¬ 
zen das Gefäfsfyftem, bei den Thiereu das Nerven- 
fyftem und Gefäfsfyftem zugleich. Die Idee von 
Zweckmäßigkeit, womit man feit Kant die Organifation 
charakterifiren will (fiehe Brandis über die Lebenskraft 
Seite 2.) ift nicht für rein theoretifche Definitionen 
paffend, und gehört in das Gebiet der praktifchen und 
theologifchen Anficht der Naturwiffenfchaften. Erhard 
(fiehe Röfchlaubs Magazin Bd. i. St. i. S. 69.) defiuirt 
das Leben (beffer hiefse es die Lebenskraft) als ein Ver¬ 
mögen der Bewegung zum Dienfte des Bewegten, was 
man als einen fehr mifslungenen Ausdruck der Kanti- 
fchen Definition anfehen darf. Schwankend und un- 
ficher fagt Schelver (Gehe Elementarlehre der organi- 
fchen Natur Th.l. S. 32.): Lebende Körper find folche 
Theile der ganzen organifchen Natur, die uns als vol¬ 
lendete Organifationen erfcheinen. Er unterfcheidet 
die organifche und unorganifche Natur nur gradweife, 
ja fetzt den Unterfchied nur in die Unvollkommenheit 
tinfers Geiftes, welcher nicht im Stande ift, die ge- 
fammte unorganifche Welt zu überfehen, die ihm nur 
deswegen unorganifch erfcheint, weil er nur Partikeln 
derfelben, nicht das Ganze überiieht. Allein an den
        

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