Bauhaus-Universität Weimar

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Merkmal übergangen, nimmt fie kein befonderes auf, 
fondern fafst fie blofs die allgemeinen] Merkmale zur 
Einheit des Bewufstfeyns (wie Kant fich unbeftimmt 
ausdrückt) oder, wie mir fcheint, beftitnmter ausge¬ 
drückt, in die Form des Urfatzes zufammen, fo hat fie 
ihren Zweck erreicht, und wird allgemein gültig und 
erfchüpfend feyn. So weit reicht ihr Wirkungskreis, 
Weiter geht aber der definirende Geift (der Verftand) 
nicht. Unbekümmert um die Erkennbarkeit oder Be¬ 
gründung diefier einzelnen, von ihm aufgefafsten und 
zufammengefafsten Merkmale genügt es ihm, fie unter 
die Form des Urfatzes nach den ihn einwohnenden 
Gefetzen gebracht zu haben. Diefe Erkennbarkeit oder 
Begründung überläfst er der Vernunft, einem Vermö¬ 
gen , welches über ihn gefetzt ift. Diefe liefert dem 
Verftande das Materiale, welchem er fodann feine For¬ 
men aufdrückt. Er prägt die Silberbarren, die ihm die 
Vernunft darbietet, gleichfam als gangbare Münze aus. 
Wenn aber auch die Urquellen jener Silberminen noch 
nicht entdeckt find, wenn der Menfch von einem Jahr¬ 
hunderte zum andern fich deswegen vertröftet, wenn 
der Faden, den wir geftern entwickelt haben, heute zu 
einem neuen Knoten fich verfchlingt, fo beweift diefes 
nur die Unendlichkeit dçr Aufgabe der Vernunft, nicht 
aber der Aufgabe des Verftandes, der auf jedem Stand¬ 
punkte der Vernunftentwicklung eine gewiffe Vollen¬ 
dung erreichen kann. Alle Werke des Verftandes 
haben daher fchon fehr frühe einen hohen Grad von 
Vollendung erreicht, waren bei den Griechen fchon 
fehr ausgebildet, und die Nachwelt hat nur wenig zu 
diefen Werken hinzuzufügen gewufst. Ich meine hier 
vorzüglich die Logik und Mathematik, welche Wiffen- 
fchaften feit Ariftoteles und Euklid bis auf unfere Zeiten 
ihre alterthiimliche Form behielten. Welche Verände^ 
nmgen und Umwälzungen haben hingegen die Ver-
        

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