Bauhaus-Universität Weimar

477] Zur Anatomie und Physiologie der Leber. 131 
vollkommen gleichen. Wenn ich dennoch ansiehe, sie ohne 
Weiteres dafür zu erklären, so geschieht dieses darum, weil die 
(lefässo des Mnschcnncl/.es einen grosseren Durchmesser haben, 
als er sonst den Gnllencapillaren eigen ist und weil ihre Lichtung 
von einer Haut umgeben, die namentlich an den Stellen deutlich 
hervorlrill, an welchen der blaue Inhalt des Canals von einander 
gewichen ist. Die beiden genannten Eigenschaften machen aller¬ 
dings die Deutung der netzförmigen Gefässe als Gallencapillaren 
nicht unmöglich, aber sic mahnen zur Vorsicht, so lange es nicht 
feststehl, dass die letzteren eine'selbständige Wand besitzen, die 
elastisch genug ist, um nach ihrer Lösung aus der natürlichen 
Verbindung aus feinen und gestreckten in weile und kurze Gänge 
Uberzugehen. 
3. Aufgemuntert durch die Erfolge, welche die Injection 
einer Lösung von Alkannin in Terpentinöl im Bereich der Lyrnph- 
gefässe erzielt hat, verwendete ich dieselbe Flüssigkeit zur Aus¬ 
spritzung der Gallengilnge. Die Alkanninlüsung gehl unter dem 
Druck von25Mm.Ilg. äusserst rasch indem Gallengang vorwärts, 
wobei sich die peripherischen Theile der Läppchen stark und 
glcichmässig roth färben. Um die Erfolge der Injection zu stu- 
diren, ist es am geralhenslen, aus der gefrornen Leber feine 
Schnittchen darzustellen und diese entweder frisch oder nach 
längerem Liegen in 1 Oprozenliger Kochsalzlösung zu untersuchen. 
Das Aussehen eines solchen Schnittes giebt die Figur 5 wieder. 
Die Slämmchen der Gallengänge zeigen, so lange sie in den inter¬ 
lobulären Räumen verlaufen, nichts Abweichendes. Sehr eigen¬ 
tümlich verhalten sie sich dagegen beim Uebergang in die 
Läppchen selbst, ln diesen vermisst man jede Andeutung von 
Gallencapillaren. Statt in dieser weiter zu schreiten, ist die 
Farbstofflösung unmittelbar in die Lebcrzellen Ubergegangen und 
zwar, wie es scheint, durch Gänge, welche vom interlobulären 
Raum her unmittelbar in die angrenzenden Lebcrzellen aus- 
mUnden. So erscheinen denn dio Balkon der Loborzellen als 
eine directe Fortsetzung der Gallongängo, die zu den Läppchen 
herantreton. Dioses Bild entspricht ganz der Beschreibung, 
welche H. II. Weber schon vor vielen Jahren nach dor Injection 
des Lehergangcs mit einer woingoistigon Lösung von Gummi 
gutlae gegeben hat. Durch eigene Versuche kann ich die von 
dem berühmten Anatomen gelieferte Beschreibung nur bestäti¬ 
gen. Die Flüssigkeit, welche ich zur Injection verwendete, be- 
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