Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Bewegung des Oberkiefers der Vögel
Person:
Nitzsch, Christian L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14031/19/
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und finden. Wenn bei den Wafferlüufern (Totamts) 
und einigen Charadrien, ungeachtet ihrer nähern Ver- 
wandtfchaft mit jenen Gattungen nicht die Spitze, fon¬ 
dera der ganze Oberkiefer beweglich ift, fo fcheint 
dies darin feinen Grund zu haben, dafs ihr Schnabel, 
theils nicht des Sondirens wegen verlängert ift, t’heils 
nur eine geringe Länge hat, und dafs ihre Nahrung iri 
etwas gröfsern Thieren befteht. Im Magen der Waflerläu- 
fer fand ich faft immer kleine Fifche, in dem des Chara- 
drius oedicnemiis aber fo grofse Schnecken uncl Käfer, 
als keine Schnepfe verfehl)ngt. Eben fo fcheint mir die 
doppelte Bewegung des Oberfchnabels bei den meiften 
Charadrien lieh auf die verfchiedene Gröfse des Frafses 
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blofse Gefüllt, oline es zu fehen. Zu dem Ende liaban Ile 
(Schnepfen Triagen und wenigftens die kleinern Numenien) 
am vordem Tlieil ihres Ober - und Unterfchnabels einen Appa¬ 
rat von höchft merkwürdiger Einrichtung. Es befindet lieh 
nämlich gleich unter der äufsern, weichen Bedeckung der Kie¬ 
fer eine grofse Menge dicht J'teilender, offener, knochigei■ 
Zellen, die oft fechseckig, und denen eines Bienenftocks ähn¬ 
lich, meiftens jedoch etwas mehr in die Quere gezogen und 
unregelmafsiger lind. Diele Zellen nun find Behälter für eben 
fo viel Endigungen der Zweige der Kiefernerven vom fünften 
Nervenpaare. Jede Zelle ift auf ihrem Grunde durchbohrt, 
und nimmt da einen Nervenfaden auf, der fich umgeben von 
einer halbflüfligen Maffe in ihr verdickt, und unter der Haut 
des Schnabels endet. — Erinnert diefer Apparat nicht an das 
electrifche Organ der electrifchen Fifche, befonders des Zitter¬ 
rochen, oder, wie Herr Dr. A. Meckel, als ich ihm diefe 
Beobachtung mittheilte, bemerkte — an den Ban des Infek- 
tenauges? — Wie febr mufs das Gefühl der Schnabel - 
fpitze dadurch bei diefen Vögeln verfeinert werden! Obgleich 
bei allen andern Vögeln die Kiefernerven befonders an (der 
Spitze der Schnäbel mit mehrern Zweigen heraustreten, und 
lieh unter der äufsern Schnabelbedeckung enden , fo ift doch 
bei denfelben (auch die Enten nicht ausgenommen^ die Zahl 
der heraustretenden Nervenf den immer ohne Vergleich gerin¬ 
ger und die eigendz auf gefetzten Zellen fehlen ganz und gar.
        

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