Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gedanken zur Beantwortung der Frage: In wiefern Wachsthum, Reproduction und Abnahme des thierischen Körpers begründet werde durch den Stand und die Verhältnisse seiner Organisation?
Person:
Carus, Carl G.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit14012/30/
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des Gehirns, nach cfen Beobachtungen der Gebr. Wen¬ 
zel1) bereits im fiebenten Lebensjahre in jeder Hin¬ 
ficht vollkommen abgefchloffen, eben To dürfen wir um 
diefe Zeit die Bildung der wichtigften Sinnesorgane, 
der Augen und Gehörwerkzeuge als gröfstentheils voll¬ 
endet betrachten, und wie endlich das Skelet, welches 
mit Nerven - und Muskelfyfiem in gleich enger Bezie¬ 
hung fteht, durch das Aufhören feines Wachsthums 
jeder weitern Vergröfserung der Geftalt Gränzen fetzt, 
ift bereits oben erwähnt worden. — Betrachten wir 
dagegen die vegetativen. Gebilde, fo finden wir kein 
einziges, deffen Ausbildung fo zeitig, als die der ho¬ 
hem zur animalen Sphäre gehörigen Organe abge¬ 
fchloffen wäre, ja wir fehen für mehrere, z. B. die 
unzähligen kleinen Lymph- und Blutgefäfse durchaus 
kein feftes Ziel und Maafs gegeben, indem unter ihnen 
eben fo leicht fielt neue erzeugen (zumal bei Entzün¬ 
dungskrankheiten), als ältere vernichtet werden, in¬ 
dem ferner mittelft veränderter Thätigkeit derfelben 
durch Anhäufung von Fett und Zellgewebe, oder durch 
deren Reforption, die gefammte Körpermaffe, und zwar 
in jeder Lebensperiode, bald vergröfsert, bald verklei¬ 
nert werden kann, indem endlich unter ihrer Mitwir¬ 
kung felbft eine gewiffe, wenn auch oft unvollftändige 
PieproJuction gröfserer verlorener Theile , oder wenig- 
ftens Ausfüllung und Heilung der bei einem folchen 
Verluft erhaltenen Wunden, zu Stande kommt. End¬ 
lich erinnere man lieh der noch mehr untergeordneten 
Gebilde diefer Art, der Haare, Nägel, der Oberhaut, 
deren aufserordentliche Reproductionskraft den Stand 
diefes Vermögens im Pflanzenthier zu wiederholen 
fcheint, und man wird darin einen neuen Beweis für 
die obige Annahme nicht verkennen dürfen. 
l) De penitiori fcructura cerebri. Cap. XXVIII,
        

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