Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den schwammigen Körper der Ruthe des Pferdes
Person:
Tiedemann, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13995/6/
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Wärmegefühl, und durch allmähliges Anfchwellen der 
Ruthe felbft. Alle diefe Erfcheinungen treten um fo 
fchneller ein, nach Einflüffen, welche die Thätigkeit 
der Arterien erhöhen , nämlich nach einer reichen Mahl¬ 
zeit, nach dein Genufs nährender und geiftiger Getränke, 
und bei vermehrter Wärme der atmolphärifchen Luft. 
Dagegen erfolgen fie langfam oder gar nicht nach Ein- 
-flüffen, welche die Thätigkeit des arteriellen Syftems 
vermindern, nämlich nach Säfteverluft, bei Hunger 
und Durit, nach dem Germfs kühlender Getränke, bei 
Kälte der atmofphärifchen Luft, bei deprimirenden 
Leidenfchaften und Gcmiiihsbewegungen. Die Ur- 
fache, dafs das Cerebralnervenfyftem einen fo grofsen 
Einfiufs auf die Arterien der Ruthe hat, liegt wohl 
darin, dafs diefe Arterien von fo grofsen Nervenzweigen 
des Cerebralnervenfyftems begleitet find. Ich kenne 
keine Arterien, ausgenommen die des Antlitzes, welche 
von fo grofsen und zahlreichen Nerven des Cerebral¬ 
nervenfyftems begleitet und umftrickt find, als gerade 
die der Ruthe. Das durch die erhöhte Thätigkeit der 
Ruthenarterien in vermehrter Quantität zugeführte Blut 
überfüllt nicht nur das Capiliargefäfsfyftem der Ru¬ 
the, fondern es ergiefst fich auch in die geräumigen 
Zellen der Venennetze innerhalb des fehnigen Ueber- 
zugs, und bringt dadurch die Erection der Ruthe hervor. 
Die Venen der RuLhe können nicht eben fo viel Blut 
ableiten als ihnen durch die Arterien zugeführt wird, 
weil ihre Wände im Verhältnifs zur Gröfse ihres Lu¬ 
mens ungemein dünn find, und folglich die Stärke ihrer 
Zufannnenziehung in einem Mifsverhältnifs zu der 
Menge des zugeführten Blutes fteht, und weil ferner 
die Stämme der Ruthenvenen im Verhältnifs zu den 
fehr erweiterten Zellen in dem vermeintlichen fchwam- 
migen Körper einen zu kleinen Durchrnefi’er haben, 
um das in die Zellen ergoffene Blut i'chnell ableiten zu
        

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