Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber den schwammigen Körper der Ruthe des Pferdes
Person:
Tiedemann, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13995/4/
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Da ich die eine Rückenfchlagader der Ruthe mit 
einer fehr feinen, gefärbten Flüffigkeit, nämlich mit 
fein gepülvertem Zinnober und Terpentingeift ange- 
füllt hatte, fo war diefe, Flüffigkeit durch die feinften » 
Arterienzweige nicht nur in die erweiterten Venennetze 
des vermeintlichenfchwammigen Körpers eingedrungen, 
fondern auch felbft in die Rückenvene der Ruthe. Der 
allmählig gröfser werdende und wenigere Netze bildende 
Stamm der Rückenvene lief unter der Schaambein- 
verbindung durch, und mündete in die Beckenvenen 
ein. Die Aefte der Rückenichlagader der Ruthe wur¬ 
den von ungemein grofsen Nerven begleitet, welche 
lieh mit den Arterien in kleinere Aefte und Zweige 
vertheilten, und durch die Löcher des fehnigen Ueber- 
zugs in das Innere der Ruthe eindrangen (Fig. 2. c.). 
Aus diefen Unterfuchungen geht alfo hervor, dafs es 
in der männlichen Ruthe des Pferds keinen befonderen, 
von den Gefäfsen verfchiedenen fchwammigen oder zel- : 
ligen Körper giebt, welcher zwifchen den Arterien 
und Venen in der Mitte liegt, fondern dafs die Räume 
und Zellen, welche man fiir den fchwammigen Körper 
gehalten hat, nur Erweiterungen der vielfach verfchlun- 
genen Venennetze find. Mithin tritt bei der Aufrich- 
'tung der Ruthe das in vermehrter Quantität durch die 
Arterie zu derfelben geführte Blut keineswegs aus der 
Arterie in Zellen eigenthiimlicher Art, fondern es ergiefst 
fich in die zufammengefallnen Zellen der Venen, er¬ 
weitert diefe durch Anfüllung, und bewirkt dadurch 
das Steifwerden der Ruthe. Ferner wird auch das 
Blut bei dem Schlaffwerden der Ruthe nicht, wie die 
Phyfiologen annehmen, durch befondere Mündungen 
der Venen aus dem fchwammigen Körper wieder aufge- 
faugt, fondern es wird allmählig durch die Venen au* 
der Ruthe abgeleitet.
        

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