Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vom Athmungsbedürfniß des Körpers zum Behuf der Geistesthätigkeit
Person:
Nasse, Otto
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13991/19/
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firicL Der Aufgeregte, finnlidh.Ausfchwéifende bedarf 
allerdings des häufigen Speil'egemiffes, weil fein ftarkes 
Âthmèn denfélbert fordert, wie äft'er der ruhige Den¬ 
ker? Es giebt inde'fs viele Gelehrte, denen bei einer 
ftiit angeftrengter Geiftesthätigkeit verbundenen fitzen- 
deti Lebensweife wenig Nahrung hinreicht, und es wird 
daher fehr wahrscheinlich, dafs das Vielehen bei Ande¬ 
ren , die mit ruhigem Gernüthe daffelbe Gefchäft trei¬ 
ben, nur ein kiinftliches Bedürfnis fey. Ein reichli¬ 
cher Speifegenufs mufs nun aber eine angeftrengtere 
Verdauung, und wenn diefe zu Stande kommt, eine 
Anhäufung von Nahrungsftoff und Kohlenfäure im 
Blute zur Folge haben, beides dann aber ein vermehr¬ 
tes Athmen, alfo grade das Gegentheil fordern von 
dem, was dem Denken Bedürfnifs ift. Ein folcher 
Zwiefpalt zwilchen dem, was die Verdauung, und dem, 
was die Geiftesthätigkeit fordert, kann dann aber der 
Gefundheit fchwerlich förderlich feyn, und mufs felbft, 
bei «ft wiederholter Widerkehr, das Leben in Gefahr 
fetzen *), 
Ein nicht unrichtiger Folgefatz aus dem obigen 
Ergebnifs dürfte noch der feyn, dafs das zum Hirn ge¬ 
hende Schlagaderblut, da der in den Lungen ihm mit- 
getheilte Athmungseinflufs höchftens nur zu einem ge¬ 
ringen Theile für die Geiftesthätigkeit verbraucht wird, 
eine andere Beftimmung haben muffe, als die zum Dienft 
für diefe Thätigkeit. Mag auch die Menge von hell- 
rothem Blut, die zum Hirn geht, nicht fo grofs feyn, 
als man früherhin wohl angenommen hat, mag fie im¬ 
merhin, wie Sömmerring lehrt, in Rückficht der Maffe 
B a 
I) Es bedarf liier keiner weiteren Ausführung, dafs Nachden- 
ken und Gehen ebenfalls einen dem Körper nachtheiligen 
Wiederftreit zwilchen dem AtbmungsbadürfuiXs beider Ver¬ 
richtungen zur Folge haben muffe.
        

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