Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vom Athmungsbedürfniß des Körpers zum Behuf der Geistesthätigkeit
Person:
Nasse, Otto
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13991/18/
Gelehrten fey, der Geiftesbefchäftigung häufiger will- 
kührliche Muskelbewegung, welche umgekehrt die 
Erweiterung der Athmungswege fördern mufs, an die 
Seite zu ftelleo. Denjenigen, welche auf Spatziergänge, 
auf Reiten u. f. w. nicht viel Zeit zu verwenden ha¬ 
ben, dürften zuin Erfatze folche künftliche tiefe Athem- 
züge, wie fie von Autenrieth 1 ) neulich zur Verhütung 
des Engbrüftigwerdens empfohlen find von Nutzen feyn. 
Einen Nachtheil entgegengefetzter Art, wie fort¬ 
gefetzte Geiftesbfefchäftigungen, müfi’en häufige aufre¬ 
gende Gemüthsbewegungen für den Körper haben ; es 
kann nicht fehlen, dafs das Athmen durch diefe nicht 
auf eine gefundheitswidrige Art gefteigert und dadurch 
eine zu rafche Verzehrung des Stoffes herbeigeführt 
werde, welcher den zum ßeftehen des körperlichen 
Lebens erforderlichen Werkzeugen fowohl zu ihrer 
Ernährung als zu ihren Verrichtungen unentbehrlich 
ift. So erzeugt fich dann bei leidenfchaftlichen, mit 
dem BegehrungsVefmögen ausfchweifenden Menfchen 
allmählich der zum Tode führende Zuftand, der von 
den Aerzten, zugleich mit anderen noch der näheren 
TJnterfuchung bedürftigen Zuftänden, unter dem un- 
beftimmten Namen der Nervenfchwindfucht, der Ner¬ 
venzehr ung befal’st worden ift *). 
Da Kopfarbeiten nur wenig Athmen fordern, 
Athmen aber, auf den höheren Stufen der Thierreihe 
und beim Menfchen wenigftens, mit der Stoffaufnahme 
durch die Verdauungswege im Gegenfatz fteht, fo mufs 
es auffallen, dafs Gelehrte, auch bei geringer will- 
kührlicher Muskelthätigkeit, fo häufig Itarke Effer 
G Tübinger Blätter; Bd. I. S. 12g. 
3) Man vergleiche, was hierüber Brandis in feiner Schrift von 
der Lebenskraft , S. 65 und 66 lehr fchön gefügt hat.
        

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