Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsubstanz und die Zellen der Hornhaut des Auges
Person:
Schweigger-Seidel, Franz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit1363/12/
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F. Schweigger-Seidel, 
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öffnet oder wenigstens in erweiterungsfähigem Zustande vor¬ 
gefunden werden. Ausserdem hatte ja C. Ludwig bereits andere 
Organe für die Injection der Lymphbahnen durch Alkohol¬ 
behandlung vorbereitet. Will man Präparate von wünschens- 
werther Vollendung erzielen, so dürfen die eingespritzten fein¬ 
vertheilten Niederschläge nicht grobkörnig und zu dicht sein, 
dürfen auch nicht in zu hohem Grade die Neigung besitzen, 
zusammenzuballen, weil sonst die feinen Gänge allzuleicht ver • 
legt werden. Unter allen Umständen ist es empfehlenswerth, 
die Ausfällung des Niederschlages jedesmal unmittelbar vor der 
Benutzung vorzunehmen.* 1) Brauchbare Injectionsmassen müs¬ 
sen bei langsam erhärteten (aber nicht geschrumpften) Horn¬ 
häuten selbst bei ganz geringem Druck von der Einstichstelle 
aus eine Strecke weit Vordringen, ohne Verdickung der Haut, 
also ohne Extravasatbildung. Hierauf ist besonders zu achten. 
Die Schnelligkeit der Verbreitung ist ein sicheres Zeichen, dass 
die Massen in die rechten Bahnen eingetreten; eine Steigerung 
des Druckes gewährt zumeist keinen wesentlichen Vortheil. 
Für die Schönheit der Präparate ist ein gewisser Grad der Fül¬ 
lung der Spalträume unerlässlich. Stauen sich die injicirten 
Massen zu stark an, so droht eine Zerreissung ; ist die Füllung 
zu gering, so tritt die Begrenzung nicht scharf genug hervor. 
Aus diesen Gründen findet man die besten Bilder immer nur in 
einer beschränkteren Region um die Einsticlistelle herum. Die 
unvollständig injicirten Partien lassen sich dafür in anderer Be¬ 
ziehung nützlich verwenden, z. B. wenn es gilt durch nachfol¬ 
gende Imbibition die Lagerungsverhältnisse der Kerne anschau¬ 
lich zu machen, kurz es liegt die Möglichkeit vor verschieden¬ 
artige Präparate aus derselben Cornea mit einander zu ver¬ 
gleichen. 
Von den Fällen einer gelungenen Spaltinjection sind mit 
1) Ich empfehle folgende Injectionsmassen : 1 Theil lösliches Berlinor¬ 
blau (nach Brücke’s Vorschrift) in trockener Substanz gelöst in 100 Theilon 
Wasser, vermischt mit gleichen Mengen einer 2 proc. Kochsalzlösung. — 
Einen Niederschlag von Ferrocyankupfer bereite ich mir, indem ich einer 
1 proc. Lösung von Ferrocyankalium hinzufüge gleiche Theile einer gleich¬ 
falls 1 proc. Lösung von schwefelsaurem Kupferoxydammoniak. Es ist für 
die Form des Niederschlages durchaus nicht gleichgültig, aus welchen Ver¬ 
bindungen er hergestellt wird. Als Lösungsmittel für die Salze empfehlen 
sich auch kaltflüssige Leimmassen.
        

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