Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fortgesetzte Untersuchungen zur Symptomatologie und Diagnostik der angeborenen Störungen des Farbensinns [In zwei Teilen]
Person:
Nagel, W. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13463/40/
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W. A. Nagel. 
ich die Einfügung von Tafeln zur Simulantenentlarvung unter¬ 
lassen. 
Was die Zeit betrifft, die zur Untersuchung der einzelnen 
Person mittels der Tafeln nötig ist, so haben wir diese bei den 
Marinemannschaften in Kiel, sowie bei Mannschaften der Eisen¬ 
bahnregimenter zu 50 Sekunden im Durchschnitt bestimmt, für 
den Fall, dafs es sich nicht um ganz ungewöhnlich stumpfsinnige 
oder ängstliche Individuen handelte und dafs streng nach der 
Gebrauchsanweisung alle Fragen gestellt wurden. Bei intelli¬ 
genten Personen mit sehr gutem Farbensinn kommt man mit 
30 Sekunden aus. In Maximo kann für einen geübten Unter¬ 
sucher die Prüfung bis zwei Minuten in Anspruch nehmen. 
Eisenbahn, Armee und Marine legen begreiflicherweise keinen 
Wert auf die Feststellung der Frage, ob ein als farbenblind Be¬ 
fundener dem Typus der Protanopen (Rotblinden) oder Deuter- 
anopen (Grünblinden) zugehört, ebenso ob ein Anomaler rot¬ 
anomal oder grünanomal ist. Um aber doch die Möglichkeit 
dieser Feststellung zu geben, habe ich die Tafel B 4 beigefügt, 
die bei den gewöhnlichen Untersuchungen nicht mit benutzt 
werden sollte. Sie enthält kräftiges Karminrot neben Grün von 
zweierlei Helligkeitsstufen. Rot und Dunkelgrün sind in ihrem 
Helligkeitsverhältnis so gewählt, dafs für die Rotblinden und 
Rotanomalen ersteres, für die Grünblinden und Grünanomalen 
letzteres als das Dunklere erscheint. Während der Farbentüchtige 
eine solche „heterochrome“ HelligkeitsVergleichung nur un¬ 
gern und unsicher ausgeführt, erscheint für den Farbenuntüch¬ 
tigen die Aufgabe, die „hellere“ oder „dunklere“ der beiden 
Farben zu nennen, einfach und leicht. Auch B 2 und B 3 
eignen sich zur Differenzialdiagnose : braun und rot sind für den 
Grünblinden (bzw. Grünanomalen) fast gleich hell, für den Rot¬ 
blinden (bzw. Rotanomalen) das Rot deutlich dunkler. 
Ich wage zu hoffen, dafs mit der Einführung der neuen 
Methode die Zahl der Fälle von unerkannter Farbenblindheit 
unter den Eisenbahnbediensteten und in Armee und Marine be¬ 
trächtlich heruntergehen wird und seltener als früher die höchst 
unerfreuliche Situation eintreten wird, dafs ein Mann nach 
10—12 jährigem Dienst plötzlich wegen angeborener, aber bisher 
unerkannter Farbenblindheit aus seiner Stellung entlassen werden 
und in einen anderen Berufszweig geschoben werden mufs. Man 
wird ja nicht hoffen dürfen, dafs alle Fehldiagnosen aufhören;
        

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