Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fortgesetzte Untersuchungen zur Symptomatologie und Diagnostik der angeborenen Störungen des Farbensinns [In zwei Teilen]
Person:
Nagel, W. A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13463/11/
Fortgesetzte Untersuchungen zur Symptomatologie und. Diagnostik etc. 249 
dessen den Ausdruck „farbenblind“ als Bezeichnung für die 
Personen mit mangelhaftem Farbensinn. So wurden bisher diese 
in einem auf die Personalakten aufgeklebten Zettel oder in einer 
auffällig angebrachten Aufschrift als „farbenblind“ gekennzeichnet 
(wenigstens bei einem Teil der Direktionen). Auch konnte der 
Bahnarzt den Untersuchten für „farbenblind“ erklären. Geriet 
nun ein zu Untersuchender zu einem Arzt, der den Begriff' 
„Farbenblindheit“ sehr weit fafste, oder aus Unkenntnis der 
Merkmale des typischen Dichromaten einen Farbenschwachen 
für „farbenblind“ erklärte, so war die Möglichkeit zu einem 
Konflikt der Diagnosen gegeben, sobald der für farbenblind 
Erklärte sich bei diesem Urteil nicht beruhigte, sondern zu 
einem anderen Bahnarzt ging oder schliefslich zu einem 
Ophthalmologen. Letzterer, in der Wahl der Untersuchungs¬ 
methode nicht beschränkt, konnte eventuell leicht feststellen, 
dafs es sich nicht um wahre Farbenblindheit handelte. Nun 
hatte die Eisenbahnverwaltung sich widersprechende Gutachten, 
von denen das eine sagte : farbenblind, das andere : nicht farben¬ 
blind. Jeder der beiden Sachverständigen hatte von seinem 
Standpunkte aus recht. Dafs derartige Fälle oft genug vor¬ 
gekommen sind, weifs ich aus eigener Erfahrung. 
Allen diesen Schwierigkeiten wurde ein Ende bereitet, sobald 
die Eisenbahnverwaltung sich entschlofs, statt „farbenblind“ den 
Ausdruck „farbenuntüchtig“ zu setzen, und diesen Begriff in 
dem oben erwähnten Sinn zu definieren. Dafs der ophthalmo- 
logische Spezialist, der den Begriff der Farbenblindheit kennt 
und die exakte Diagnose zu stellen vermag, sich die im Kreise 
der Bahnärzte üblich gewordene Verallgemeinerung des Begriffs 
zu eigen machen und jeden irgendwie fehlerhaften Farbensinn 
als Farbenblindheit bezeichnen soll, ist nicht zu verlangen und 
nicht zu wünschen. Wohl aber kann er die Unterscheidung 
zwischen „Farbentüchtigen“ und „Farbenuntüchtigen“ acceptieren, 
wenn der Begriff des „Farbenuntüchtigen“ definiert wird als 
„Dichromaten -f- anomale Trichromaten“. 
Es versteht sich von selbst, dafs unter dem Begriff „farbenuntüchtig“ 
auch die Fälle von totaler Farbenblindheit und von erworbener aber 
stationär gewordener Farbensinnsstörnng fallen. Von letzterem Fall wird 
weiter unten noch zu sprechen sein. Angeborene totale Farbenblindheit 
ist ja bekanntlich sehr selten und stets von solcher Amblyopie begleitet, 
dafs sie bei diesen Betrachtungen füglich unberücksichtigt bleiben kann.
        

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