Bauhaus-Universität Weimar

PSYCHISCHE PHÄNOMENE. 
1023 
■Für andere Arersuche ist das lustrum ent’complicirter. An dem einen Endes des Cy¬ 
linders finden sich zwei, theils mit Kupfer, theils mit Hartkautschuk bedeckte Ringe. 
An jedem King münden zwei Paar Elektroden; die untere unterbricht und schliesst 
einen constanten Strom, die obere einen Inductionsstrom. Die Elektroden sind zu¬ 
sammen durch eine dicke Glasstange an einem horizontalen Brett befestigt, welches 
dem Cylinder folgt, der sich in einer Spirale bewegt und so die Elektroden an den 
Ringen hält. Die Inductionsströme gehen durch die Stimmgabel. In einer Reihe 
von Experimenten wird nur derinnere Ring benutzt (der äussere Ring kann bei Seite 
gebracht werden). An diesem Ringe wechseln Quadranten vou Kupfer und Kaut¬ 
schuk miteinander ab. Die Elektroden ruhen auf dem Kupfer, die Stimmgabel wird 
getroffen, der Cylinder halb umgedreht ; in dem Augenblick, in welchem die unteren 
Elektroden das Kupfer verlassen, macht der Inductionsstrom ein Loch in das Papier 
auf der chronoskopischen Curve und ein Funken wird sichtbar gemacht ohne hörbar 
zu sein, oder hörbar ohne sichtbar zu sein, oder, wenn der Funken weder hörbar 
noch sichtbar ist, wird ein Schlag gefühlt. Der Funken geht in einen kleinen auf 
einem Querbalken befestigten Kasten zwischen geknöpften Elektroden, welche so 
weit auseinander bewegt werden können, dass die durchgehende Elektricität nur 
einen Funken bildet. Um den Funken zu sehen oder zu hören, ist eine Leydener 
Flasche in den Strom eingefügt; die Erschütterung wird ohne die Einfügung einer 
Leydener Flasche als unipolare Leitung gefühlt. 
Hat man den Anstoss erhalten, so wird ihm dadurch darauf reagirt, dass man mit 
der Hand einen kupfernen Arm eines hölzernen Cylinders mit zeichnender Feder 
bewegt. Hierdurch kann unter ähnlichen objectiven und subjeotiven Bedingungen 
die physiologische Zeit (die Zeit zwischen Reiz und Auslösung) abwechselnd für 
Gesichts- und Gehörs-Eindrücke, sowie für Gefühlsempfindungen an verschiedenen 
Hautstellen bestimmt werden. 
Ein Dilemma mag angeführt werden. Elektroden werden rechts und links auf 
die Haut aufgesetzt und der horizontale Arm des hölzernen Cylinders in eine ent¬ 
sprechender Richtung getroffen. In ähnlicher Weise mag durch verabredete Aeusser- 
ung eine Entscheidung zwischen rotheru und weissem Licht getroffen werden. In 
beiden Fällen mag die Aeusserung für eine Farbe oder für eine Reizung auf einer 
Seite untersagt sein. Statt mit der Hand zu antworten, kann die auf den Phonauto¬ 
graphen wirkende Stimme benutzt und die physiologische Zeit in beiden Fällen 
bestimmt werden. Wenn der Funken durch den Kasten schlägt und durchscheinende 
Buchstaben sichtbar macht, so kann die physiologische Zeit zur Erkennung dieser 
Buchstaben aufgezeichnet und mit der Zeit für einfache Lichtperception etc. ver¬ 
glichen werden. 
Der zweite Ring besitzt nur eine kleine Leitungsplatte, auf welcher beim Rotiren 
des Cylinders der constante Strom geschlossen und unterbrochen wird, nachdem die 
Berührung mit den Elektroden des Inductionsstromes erfolgt ist. So wird durch 
Verschiebung dieses zweiten Ringes, früher oder später nach dem ersten Funken, 
ein zweiter hindurehaeschickt, welcher die chronoskopische Linie dnrchbohrt und zu 
gleicher Zeit entweder in der zweiten Abtheilung des Kastens sichtbar, oder hörbar, 
oder an einer andern Stelle der Haut fühlbar ist. 
Dadurch erfahren wir die Zeit zwischen zwei Eindrücken des nämlichen Sinnes 
oder zweier verschiedener Sinne, welche uns in Stand setzt, über die Priorität zu 
urtheilen. 
Um unter allen Umständen die Funken daran zu verhindern, von einem Ringe 
auf den andern überzuspringen, ist ein etwas grösserer Zwischenraum zwischen den 
Ringen wünschenswerte 
Professor Marey’s Apparate zur Beobachtung ünd Aufzeichnung 
PHYSIOLOGISCHER UND MECHANISCHER PHÄNOMENE. 
5586. 1. Herzsonden zur Angabe des Blutdruckes in den Herzhöhlen. 
A. Sonde für das rechte Herz. B. Sonde für das linke Herz. C. Sonde 
zum Beweis des negativen Druckes. D. Sphygmoskop (die entsprechenden 
Zeichnungen sind auf Platte I., 1—4, gegeben).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.