Bauhaus-Universität Weimar

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Ueber den Werth der Ausstellung. 
Weder das Ludwig’sehe Kymographion, noch das Helmholtz’- 
sehe Myographion, noch die Ludwig’sche Quecksilbergaspumpe, noch 
die Thermosäulen yon Helmholtz oder Heidenhain, noch das 
Wasser calorimeter von Dulong und Despretz waren ausgestellt, ob¬ 
wohl von allen diesen Apparaten gute Exemplare sogar in Londoner 
Staatsinsjtituten stehen. 
Aber die Herren Directoren konnten und wollten die für ihre Ar¬ 
beiten unentbehrlichen Apparate in ihren Instituten nicht mehrere Mo¬ 
nate lang missen. 
Ganz Aehnliches sagten oder empfanden viele Institutsvorstände 
des Continents, an welche die Einladung ergangen war, die Apparate 
einzusenden, „die gegenwärtig in den Laboratorien gebraucht werden“. 
Es giebt kein physiologisches Institut, welches so glänzend dotirt 
wäre, dass es Apparate im Ueberfluss anschaffen könnte, und auch kei¬ 
nes (glücklicherweise!) so verwaist, dass auch die gebräuchlichen Ap¬ 
parate brach ständen. 
Daher sind von den Physiologen, die ihren guten Willen und ihr 
Interesse documentiren wollten, irgend welche entbehrliche Apparate 
beigesteuert worden. So ist z. B. von Professor Bernstein in Halle, 
dessen Differentialrheotom die biologische Ausstellung hätte zieren 
können, ein Wetli’sches Planimeter eingeschickt worden, das in 
einem Winkel der reichen Ausstellung von Messapparaten in den wei¬ 
ten Räumen des Erdgeschosses verborgen blieb. 
Daher ist es erklärlich, dass dem Wunsche des Comités nach 
„Gegenständen von historischem Interesse aus den Museen und Privat¬ 
sammlungen, wo sie als heilige Reliquien auf bewahrt werden“, besser 
Genüge geschehen ist. Dass die biologische Abtheilung auch an sol¬ 
chen Reliquien nicht reich war, erklärt sich aus der Jugend unserer 
Wissenschaft, deren Begründer zu unserem Heile noch leben*) und 
schaffen und ihre noch immer verwendbaren Werkzeuge nicht gern 
in den Reliquienschrein stellen lassen. 
Am förderlichsten für das Zustandekommen der biologischen Aus¬ 
stellung haben sich die Verfertiger von Apparaten erwiesen, die unter 
eigenem oder unter dem Namen des Institutes, unter dessen Einflüsse 
sie arbeiten, ihre Erzeugnisse ausgestellt haben. Sie würden noch 
mehr beigesteuert haben, wenn die Lieferungsfrist nicht gar zu kurz 
bemessen worden wäre. Die Fabrikanten der besten physiologischen 
Apparate sind Mechaniker, welche nur auf Bestellung arbeiten, weil sie 
nur auf beschränkten Absatz rechnen können. Die Freude an gelun¬ 
genen Werken muss die Künstler für den Mangel materiellen Gewinnes 
entschädigen, der nur durch Massenproduction zu erzielen ist. 
!) Seit der Zeit, da dies geschrieben worden ist, sind die Physiologen 
A. W. Volkmann, E. H. Weber und Claude Bernard gestorben.
        

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