Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Behandlung der thierischen Gewebe mit Argent. nitric: Über Epithelien sowie über die v. Recklinghausen'schen Saftkanälchen als die vermeintlichen Wurzeln der Lymphgefäße
Person:
Schweigger-Seidel, Franz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit1343/16/
344] die Behandlung der tiiieriscuen Gewebe etc. 165 
stellen. Dass das Zuckerwasser nicht etwa eine Veränderung 
des Gewebes bedingt, welche die Silborwirkung unmöglich 
macht, kann man durch Einlegen einer Froschcornea in die an¬ 
gewendete Lösung darlhun. Selbst nach mehrstündigem Liegen 
förbt sich die Zwischensubstanz noch ganz gut. 
Nimmt man zu diesen Beobachtungen die bereits milgc- 
theillen hinzu, so kann man den Ausspruch wagen, dass die 
sogenannten Saftkanälchen in den hier behandelten Fallen mit 
Bindegewebe gar nichts zu thun haben. Vielmehr wird aus den 
Untersuchungen der Synovialmembranen deutlich hervorge¬ 
hen, dass in dünnen Schichten einer eiweissartigen Substanz 
durch Silberlösungen ganz analoge Bildungen hervorgerufen 
werden können. Gegen die Annahme einer solchen Schicht 
unter den serösen Epilhelien scheint mir nichts zu sprechen, 
da wir so zu der Frage berechtigt sind, durch was die platten, 
jedes Fortsatzes entbehrenden Zellen auf dem Grundhüutchen 
festgehalten werden. Hier haben wir eine Masse, welche die 
Aufkittung bewirkt ; es ist dieselbe, welche in die Furchen zwi¬ 
schen die Zellen eindringt und deren Verklebung veranlasst. 
Sie verdient eine genauere Beachtung, denn einerseits kann ich 
jetzt schon sagen, dass sie nicht überall gleichmassig entwickelt 
ist, und anderseits lässt sich von vornherein nicht absehen, in¬ 
wieweit sie für die Ernährung und eine etwaige Regeneration 
der Zellen von Bedeutung ist. Besser aber als durch Silber¬ 
lösung scheint sie mir nicht demonstrirt werden zu können. 
Vergleicht man übrigens unsere Figuren mit den Abbildun¬ 
gen , welche v. Recklinghausen und Andere gegeben haben, so 
kann es nicht zweifelhaft sein, dass wir dasselbe vor uns hatten. 
Die vermeintliche dunkel gefärbte Bindegewebs-Grundsubslanz 
entspricht der durch die Verbindung mit Argent, nitric, verän¬ 
derten Eiweisssubstanz, theils der Zellen selbst, theils der Kitt— 
masse, und die Saftkanäle entsprechendem Systeme von Lücken, 
welche durch den Zerfall der Substanz in einzelne, unregel¬ 
mässig gestaltete Massen entstanden und ihre eigenthümliche 
Form erhalten haben. Die sich durchschnittlich wohl ziem¬ 
lich gleichbleibende Beschaffenheit und Dicke der Eiweissschicht 
bietet die Bedingungen für eine gewisse Regelmässigkeit der Bil¬ 
der, obwohl dieselbe zugestandenermassen keine sehr grosse ist. 
Es ist doch eigentlich stets nur der allgemeinste Typus der Bil¬ 
dungen der gleiche.
        

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