Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bemerkungen zu Preyers Abhandlung über die Grenzen des Empfindungsvermögens und Willens
Person:
Wittich, von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit13337/11/
Bemerk, zu Preyer üb. die Grenzen des Empfindungsvermögens u. "Willens. 389 
gelungen sei, einzelnen intelligenten Zöglingen einen nicht geringen 
Grad von Untersclieidungsfähigkeit der Tastflächeu für das schnel¬ 
lere oder langsamere Yibriren hoher oder tiefer Töne anzuerziehen* 1). 
Ich besitze von Herrn G. Appunn in Hanau eine Zungenpfeife (B—1 
117,33 Schn.) die an Hörbarkeit ihrer Obertöne wahrhaft Ueber- 
raschendes leistet, sehen wir aber von dieser ab, da es doch zwei¬ 
felhaft bleibt, ob auch ihre Schwingungen sich dev Holzbekleidung 
mittheilen, jedenfalls aber fühlt die festaufgelegte Hand beim An¬ 
blasen der Zunge ein mächtiges Zittern, dessen Einzelstösse, ent¬ 
sprechend dem Grundton, sich 117,3mal in der Secunde folgen. 
Ich übersehe jedoch dabei nicht, dass grade die gewaltige Klang? 
masse solcher Pfeifen den Vorgang der Art complicirt, dass es doch 
schwer zu entscheiden sein dürfte, wem jene fühlbaren Vibrationen 
ihre Entstehung verdanken. Weiter kommt man schon mit Stimm¬ 
gabeln. Legt man die Hand fest auf den Resonanzkasten einer 
solchen, sobald sie angeschlagen ist, so fühlt man selbst bei verstopf¬ 
ten Ohren ihr allmähliches Verklinken vollkommen deutlich. Nicht 
anders wenn man eine in einen Holzklotz geschraubte Gabel an¬ 
schlägt, während man jenen fest mit der Hand umfasst; auch so 
f ühl t man sie oft noch tönen, während man sie weit ab vom Ohre 
bei vorgestrecktem Arm kaum noch hört. Die Gabeln, welche ich 
benutzte (von Herrn Dr. R. König Paris) Ut3 geben nach franzö¬ 
sischer Zählung 512 Schwingungen, da aber jeder Hin- und Her¬ 
gang der schwingenden Gabel sich der Holzmasse mittheilt, so sind 
es 512 Erschütterungen in der Secunde, die meine Hand als ein 
deutliches Erzittern wahrnimmt, deren Einzeleindrucke sich noch 
nicht zu einer continuirliehen Empfindung aneinanderreihen. 
Ich stellte mir nun die Frage, bis zu welcher Grenze veimag 
man die Schwingung einer angeblasonen Zunge oder einer tönene en 
Seite noch mit dem tastenden Finger wahrzunehmen. Um jenes zu 
prüfen, benutzte ich eine metallene Zungenpfeife, deren Tonhöhe ich 
durch eine leicht zu bewirkende Verschiebung ihrer Fixation inner- 
halb gewisser Grenzen ganz allmählich verändern konnte. as 
freie schwingende Ende der Zunge trug einen feinen sie wenig be¬ 
lastenden metallenen Stift. Zu beiden Seiten derse en w r en 
1) Hou din (Paris) Heilung von Taubstummen. Froriep, Nat. 1866 
I ' 802 
Dr. Kitt Ol Taubstumme, ebend. 1846 und Westminster Review. 1846.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.