Bauhaus-Universität Weimar

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Sigm. Einer: 
haben, und fährt dann fort: „Andrerseits wissen wir, dass die Be¬ 
hauptung in die wissenschaftliche Litteratur eingedrungen ist, und 
wir können uns das nur folgendennassen erklären: Die Raubvögel 
breiten ihre Flügel aus, um sich in der Sonne zu wärmen, und die 
exotischen Arten, die man zum grösseren Theil auch im Winter im 
Freien hält, haben natürlich dazu ganz besonders das Bedürfnis, 
wenn es kalt ist; wenn sie dann ihrem instinctiven Triebe nachgeben 
und ihre Flügel ausbreiten, frieren sie aber noch mehr, und dann 
zittern natürlich ihre Flügelfedern. Durch die unrichtige Deutung 
dieser an sich richtig beobachteten Thatsache glauben wir die ganze 
Vorstellung entstanden, von der Sie bei Ihrer Anfrage ausginge:).“ 
Ich danke auch hier den vier genannten Herren für ihre liebens¬ 
würdige Beantwortung meiner Frage und will nur zur letzten be¬ 
merken, dass mir die gegebene Deutung nicht wahrscheinlich ist. 
Dass ein Thier, um sich zu erwärmen, instinctiv eine Stellung ein¬ 
nimmt, bei der es noch mehr friert, und halbe Stunden lang darin 
verharrt, ist schwer zu glauben. Auch habe ich das Zittern bei 
weissköpfigen Geiern gesehen; der Condor zittert, wie wir eben 
hörten;, das sind Thiere, die an rauhes Klima gewöhnt sind. 
Es wäre mir lieb gewesen, das geschilderte Verhalten nun 
wieder einmal zu sehen; ich verschaffte mir also einige Bussarde 
und brachte sie in einer grossen Volière unter. Ich hoffte die 
Zitterbewegungen ihrer Flügel etwa mit dem Stroboskopr) betreffs 
ihrer Frequenz und der Grösse des Ausschlages genauer studiren zu 
können. Leider habe ich diese Bewegungen nicht zu sehen be¬ 
kommen, vielleicht weil die Thiere jung gefangen waren (wie ich 
aus ihrer Zahmheit schliesse) und das Kreisen in aufsteigender 
Richtung nie geübt haben. Nur eins der Thiere fand ich oftmals 
in der charakteristischen Stellung mit ausgebreiteten Flügeln auf 
horizontaler Unterlage und überzeugte mich an ihm von der ge¬ 
schilderten Haltung der Krallen. 
Wenn meine Vermuthung richtig wäre, so hätten diese Vögel 
also zwei Arten des Fluges ; bei der gewöhnlichen -würden sie durch 
die deutlich sichtbaren Flügelschläge an die Luft die genügenden 
lebendigen Kräfte übertragen, bei der zweiten geschähe dasselbe 
1) Vgl. die Beschreibung eines Handstroboskopes in der Abhandlung: 
M. Ishihara, lieber die Flossenbewegung des Seepferdchens. Pflüger’s 
Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 109 S. 300. 1905.
        

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