Bauhaus-Universität Weimar

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Sigm. Exner: 
Segeln nur durch den Wind für ermöglicht hält und sagt, es finde 
im eigentlichen Sinne auch nur bei starkem Winde statt, berichtet 
an einer anderen Stelle1), dass das Kreisen „an Mauerseglern, Raub¬ 
vögeln und Möven bei schwachem Winde oder sogar, wenn unten 
Windstille ist, recht leicht zu beobachten“ sei. Er sah es also bei 
Windstille und setzte nur voraus, dass in der Höhe des Vogels 
Wind wehe. 
Parseval2) nennt das Schweben „eine Bewegung, die, soweit 
sie nicht blos ein verlangsamtes Fallen ist, nur aus der Mit¬ 
wirkung der verschiedenen Luftströmungen erklärt werden kann“, 
und H. Strasser schliesst sich in seiner eingehenden Untersuchung 
„Ueber den Flug der Vögel“3) dieser Anschauung an. Er macht 
auf die Unzweckmässigkeit aufmerksam, die darin liegt, den Vogel 
stets in seiner Bewegung zur Erde statt in der zur umgebenden 
Luft zu betrachten, und verweist in dieser Beziehung auf die Arbeiten 
von Rayleigh4), Airy5) und Courtenay6), welche Forscher 
schon im Jahre 1883 auf die ausschliessliche Bedeutugg der relativen 
Bewegung zwischen Vogel und Luft hingewiesen haben. Rayleigh 
war in dieser kurzen und bündigen Mittheilung meines Wissens der 
erste, der das Problem physikalisch richtig erfasst und erläutert hat. 
Es bestand für ihn sowie für A i r y und Courte n a y allerdings > in 
der durch eine Beschreibung kreisender Vögel (besonders Pelikane) 
von Peal7) angeregten Frage, wie kann der Vogel „ohne mit 
den Flügeln zu arbeiten“ Höhe gewinnen? Angesichts 
dieses Problems war es geboten, jede Möglichkeit in Betracht zu 
ziehen, und die Frage, oh die Möglichkeit in der Natur auch ver¬ 
wirklicht ist, in zweite Linie zu stellen. Es ist das grosse Verdienst 
Rayleigh’s, eine solche Möglichkeit aufgedeckt zu haben. Sie 
besteht in der Ausnützung der ungleichen Windgeschwindigkeit, in 
benachbarten Luftregionen, die der kreisende Vogel abwechselnd auf¬ 
sucht. Die Vorstellung, welche er entwickelt, ist die folgende: Das 
Thier befinde sich über der Grenze zweier Luftschichten, die sich 
1) 1. c. S. 160. 
2) Die Mechanik des Yogelfluges S. 6. J. F. Bergmann, Wiesbaden 1889. 
3) . Jena’sche Zeitschr. f. Naturwiss. Bd. 19. 1886. . 
4) The Nature t. 27 p. 534. 
5) Ebenda p. 590. 
6) Ebenda t. 28 p. 28. 
7) Ebenda t. 23 p. 10.
        

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