Bauhaus-Universität Weimar

Ueber das „Schweben“ der Raubvögel. 125 
habe mehrere Methoden versucht, diese Frage experimentell zu be¬ 
antworten, bin dabei wegen der Zartheit des Baues einer Federfahne 
auf grosse Schwierigkeiten gestossen und habe keinen Anhaltspunkt 
gewonnen, eine Ungleichheit anzunehmen. Eine Schwungfeder über 
den Ausschnitt eines Aluminiumbleches so aufgekittet, dass sie keine 
Verbiegungen erfahren konnte, und mit dem Botationsapparat in 
Drehung versetzt, zeigte keinen Unterschied beim Wechsel der 
Richtung. Oder es wurde ein Stück der Fahne zwischen zwei 
Röhren von gleichem Durchmesser, deren Querschnitte einander bis 
auf die Fahnendicke genähert- waren, so eingekittet, dass der Kitt 
die Ergänzung der Röhrenwandungen und die Fahne eine Querwand 
im Lumen bildete; dann habe ich ein gegebenes Luftquantum unter be¬ 
stimmten Druck in der einen und in der anderen Richtung hindurch¬ 
geleitet, und konnte keinen Unterschied in der Dauer wahrnehmen, 
welche für die Rassirung desselben durch die Fahne erforderlich ist. 
Obwohl auf die Intactheit der Structur der Federfahnen in beiden 
Fällen sorgfältig geachtet war, stimmten die Resultate bei den 
Wiederholungen der Versuche doch nicht in so befriedigender Weise, 
dass ich die Gewinnung eines positiven Resultates bei Anwendung 
vollkommenerer Methoden für ausgeschlossen hielte. Bedeutend aber 
sind die Unterschiede, das kann aus meinen Versuchen doch mit 
Sicherheit geschlossen werden, gewiss nicht. 
II. Physiologie ues Schwirrens. 
Die vorstehenden Untersuchungen haben ergeben, dass die 
mechanischen Leistungen eines vibrirenden Flügels der vorgetragenen 
Vermuthung über das Schweben der Raubvögel nicht widersprechen 
Jetzt fragt es sich, ob auch die physiologische Grundlage für diese 
mechanischen Leistungen des Flügels vorhanden sind, ob sich also 
hinlänglich starke, die Flügel bewegende Muskeln nach weisen lassen, 
welche die Eigenschaft besitzen, sehr rasch aufeinander folgende 
vibrirende Contractionen auszuführen, wie sie hier vorausgesetzt 
wurden. Stark müssen die Muskeln sein,, sonst.könnte der Raub¬ 
vogel nicht geraume Zeit im Schweben verharren. 
Von den Fliegmuskeln der Insekten wissen wir seit langem 
durch Marey1) und durch die stroboskopischen Beobachtungen 
1) 1. c. 
E. Pflüger, Archiv für Physiologie. 
Bd. 114.
        

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