Bauhaus-Universität Weimar

409 Natürliche Magenverdauung. 
menschlichen Magensaftes höchstens 0,4 Theile (Schröder) trockenen 
Eiweisses zu lösen. 
Bidder und Schmidt stellten ihre quantitativen Verdauungsversuche in der 
Weise an, dass Isie durchfeuchtete Eiweiss- und Fleischstücke von bekanntem Ge¬ 
halte an festem Rückstand hei einer Temperatur von 40° C. so laoge mit verschiede¬ 
nen Proben bekannter Gewichtsmengen von Magensaft in Berührung Hessen, als die¬ 
ser noch irgend etwas aus ihnen zu lösen vermochte. Darauf wurde der ungelöst 
gebliebene Antheil filtrirt und getrocknet. Man erhielt damit das Gewicht des Auf¬ 
gelösten. Den Säuregehalt bestimmten sie aus ^der Menge von Kali, welche nothwen- 
dig war, um den Saft vollkommen zu neutralisireo. Wenn die freie Säure, wie beim 
Hunde, nur aus Chlorwasserstoff besteht, so ergiebt sich allerdings die Menge dieser 
letzteren, wenn aber, wie beim Menschen, die freien Säuren aus verschiedenen ge¬ 
mengt sind, so genügt natürlich dieses Verfahren nicht (Schröder). Zu den oben 
zusammengestellten Thatsachen muss wiederholt bemerkt werden, dass selbst der 
Magensaft des Hundes sich nicht in direktem Verhältnisse eiweissauflösend erweist, 
in welchem er Kali zu seiner Neutralisation bedarf. 
Natürliche Magenverdauung. Die Verdauungsresultate der 
Nahrungsmittel im lebenden Magen (des Hundes oder Menschen) bestä¬ 
tigen meistens die der künstlichen Verdauung. So ist es z. B. erklär¬ 
lich, dass der Magen nach dem Genüsse gekochtenAmylons bald Zucker 
enthält (Frerichs, Lehmann, Bouchardat, Sandras u. A.), bald 
auch, dass er ihm fehlt (Blondlot, Schmidt u. A.), weil je nach 
dem Ueberwiegen des Labsaftes oder Speichels die Umwandlung der 
Stärke geschehen oder unterbleiben muss. Aehnlich verhält es sich mit 
der Umwandlung des Trauben- und Rohrzuckers in Milchsäure, welche 
zuweilen beobachtet (Frerichs, Lehmann, Bouchardat), zuweilen 
vermisst ist (Frerichs, Schmidt); allerdings scheint das letztere 
häuflger zu sein, wie erklärlich, weil schon eine geringe Beimengung von 
Labsaft dem Speichel das umwandelnde Vermögen zu entziehen ver¬ 
mag. — Sehr merkwürdig, aus den vorliegenden künstlichen Verdauungs¬ 
versuchen vollkommen unverständlich, sind die Beobachtungen von Fre¬ 
richs*) und Schmidt, wonach zuweilen Buttersäure-, zuweilen auch 
schleimige und Alkoholgährung im Magen Vorkommen kann; das Auf¬ 
treten der beiden letzteren war aber auch immer mit Krankheitszustän¬ 
den verknüpft. -— Eiweissstoffe und insbesondere gekochtes Hühnereiweiss 
werden im Magen rascher aufgelöst, als ausserhalb; dieses lässt sich ab¬ 
leiten aus mancherlei Gründen, z. B. aus der stetigen Erneuerung des 
Magensaftes, aus der Entfernung der mit dem umgewandelten Eiweiss 
geschwängerten Lösung durch den Pylorus, dem Umrühren des Magen¬ 
inhaltes in Folge einer Bewegung der Wandung u. s. w. Die Beobach¬ 
tungen hierüber, welche von Bidder und Schmidt am Hunde, von 
Schröder am Menschen angestellt sind, lehren auch, dass Eiweiss¬ 
stücke, die in einen Magen gelegt werden, der vor 12 bis 20 Stunden 
*) 1. c. 803,
        

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