Bauhaus-Universität Weimar

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344 Veränderlichkeit im Stickgas. 
des Verbrauchs an 0 und des Gewinns an CO , nothwendig. Denn zwi¬ 
schen dem ersten und letzten Produkt der Oxydation liegen meist manche 
Zwischenstufen, so dass anfänglich viel Sauerstoff verbraucht wird, bevor 
sich C02 bildet; endlich geht dann freilich alles in C02 über. — Es 
darf nicht übersehen werden, dass auch noch von einer andern Seite 
her eine Störung des Zusammengehens der C02 und des O’s in die 
Lunge eintreten kann, da die Lunge nicht der einzige Ort ist, an dem 
Gas aus- und in das Blut tritt. Je nach den Eigenschaften der Wände 
jener andern Athemwerkzeuge muss das Verhältniss von.CO^ und 0 in dem 
Blute alterirt werden und damit auch dasjenige des Ein- und Ausganges 
beider Gase in der Lunge. Diese Gründe machen es nothwendig, dass 
das Verhalten des Sauerstoffs beim Athmen noch gründlicher, als bisher * 
geschehen, untersucht werde. 
Der Mechanismus, durch welchen die annähernd gleiche Ein- und 
Ausfuhr von Sauerstoff und CO, erhalten wird, ist leicht zu übersehen, 
wenn man bedenkt, dass im Blute zwei verschiedene Absorptionsmittel 
vorhanden sind, das eine für Sauerstoff (die Blutkörperchen) und das 
andere für Kohlensäure (das Serum), ln dem Maasse, in welchem der 
Träger des Sauerstoffs entlastet wird, belastet sich der der C02 und 
dieser letztere entledigt sich seines Gases an einem Orte, an welchem 
Sauerstoff zur Sättigung des andern vorhanden ist. Eine kurze Ueber- 
legung wird nun darthun, dass die Atbembewegung und der Blutstrom 
in demselben Maasse die Spannungsdifferenz der C02 und des Sauer¬ 
stoffs diesseits und jenseits der Lungenwand begünstigen, so dass also 
beide in Strömen von umgekehrter Richtung gleich stark gehen. Da uns 
die bestätigenden oder widerlegenden Versuche fehlen, so verzichten wir 
auf ein weiteres Eingehen in Aehnlichkeit und Unähnlichkeit der Be¬ 
dingungen und Erscheinungen beider Gasströme in der Lunge. Versuche 
wären aber sehr wünschenswerth und insbesondere über die Abhängig¬ 
keit der Absorptionsgeschwindigkeit, von den Spannungsdifferenzen des 
0 im Blute und der Luft, um auch die praktisch wichtige Frage 
zur Entscheidung zu bringen, auf welchen Werth die Sauerstoffspannung 
in der eingeathmeten Luft sinken dürfe, bevor sie zum Athmen untauglich 
sei. Nach alten, wahrscheinlich mit analytischen Fehlern behafteten Ver¬ 
suchen von Allen und Pepys*) soll ein Mensch in einer Luft mit 
4 pCt. 0 das Bewusstsein verlieren. 
Wir brauchen kaum hervorzuheben, dass das, was für den gegenseitigen 
Strom gilt, keineswegs für den Gehalt des Bluts an C02 und 0 zu bestehen 
braucht, da dieser von den relativen Mengen der Absorptionsmittel abhängt. 
5. Veränderung des Stickgases. Das Verhalten des Stick¬ 
stoffs in der Ausathmimgsluft hat bis dahin kaum Berücksichtigung ge- 
^ :*) J. c. p. 196.
        

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