Bauhaus-Universität Weimar

Blutscheiben. 
2. Chemische Beschaffenheit. Das Blutkörperchen ist noch niemals 
rein dargestellt worden. 
Versuche zur Darstellung der Blutkörperchen. Zur Reindarstellung der Blut¬ 
körperchen hat man den direkten und indirekten Weg eingeschlagen. 
1. Filtration. Versetzt man ein von Faserstoff befreites Blut mit seinem 
mehrfachen Volum einer concentrirten Glaubersalzlösung, und leitet durch dasselbe, 
nachdem es auf ein Papierfilter gebracht worden, Sauerstoffgas, so wird nicht allein 
die Mehrzahl der Körperchen zurückgehalten, sondern es lässt sich auch durch Glauber¬ 
salz der Rückstand so vollkommen ausvvaschen , dass die Waschflüssigkeit kein CINa 
und keine organischen Bestandtheile, namentlich kein Eiweiss mehr enthält. Berze¬ 
lius, Dumas*), Lecanu**). Diesen ausgewaschenen Rückstand haben einzelne 
Chemiker für reine Blutkörperchen angesehen, eine Meinung, welche sowohl die phy¬ 
sikalische Ueberlegung wie auch das optische Verhalten als unrichtig erweist, indem 
die Körperchen, wie wir schon erfuhren, unter dem Einfluss der Salzlösung ver- 
schrumpfen und ihre Form ändern; diese Formänderung, namentlich das Schrumpfen 
derselben, ist nothwendig, wenn man bedenkt, dass der Inhalt durch die für wässrige 
Lösungen durchgängige Membran auf diffusivem Wege der Glaubersalzlösung einen 
Theil seiner Bestandtheile abgeben und dafür andere empfangen muss. Einen weiteren 
Beweis für diese Behauptung wird man zu liefern im Stande sein, wenn man eine 
solche mit Glaubersalzlösung gewaschene Blutkörperchenraasse einige Zeit in dieser 
Lösung aufbewahren und diese auf ihre Bestandtheile untersuchen würde. Diese 
Einwendungen können natürlich dem Filtrationsverfahren seinen grossen Werth für 
die qualitative Untersuchung des Blutkörperchens nicht rauben. 
2. Man behauptete zu verschiedenen Zeiten (Dumas-Prevost, C. Schmidt***), 
dass ein oder der andre Stoff nur der Blutflüssigkeit oder dem Serum, nicht aber 
den Körperchen eigen sei ; auf diese Annahme lässt sich nun ein einfaches Verfahren 
gründen, um die Zusammensetzung der Blutkörperchen festzustellen. Offenbar nem- 
lich ist in einem Gemenge aus unbekannten Quantitäten von Blutkörperchen und Se¬ 
rum, die Quantität dieses letztem und aller seiner Bestandtheile sogleich bestimmt, 
wenn man aus dem Gemenge das Gewicht eines dem Serum allein zugehörigen Stoffes 
bestimmen könnte und zugleich das Verhältnis weiss, in dem alle andern Serumbe- 
standlheile zu diesem besondern Stoff stehen. Mit der Kenntniss der Menge und der 
Zusammensetzung des Serums in einem Gemenge von Blut und Blutkörperchen ist 
aber natürlich auch die Zusammensetzung dieser letzteren gegeben , indem diese ge¬ 
geben ist durch den Rest, welchen die Blutanalyse nach Abzug des Serums lässt. 
So hielten Dnmas-Prevost dafür, die Blutkörperchen seien mit Serum durch¬ 
tränkte und gefüllte Säcke; indem somit das Eigenthiimliche der Blutscheibe nur ia 
ihrer Haut bestehen sollte, sprachen sie ihr natürlich allen Wassergehalt ab. Diese 
Annahme Ist aber durch mancherlei Thatsachen, insbesondere durch die Untersuchung 
der filtrirten Blutkörper widerlegt. — C. Schmidt***) nimmt an, dass das Chlor 
der Blutscheiben mit Kalium, das des Serums mit Natrium verbunden sei, so dass 
also dem einen Bestandtheil das Chlorkaliuni, dem andern das Kochsalz abgehe. Diese 
Annahme ist aber vollkommen willkürlich , w'eil selbst nach seinen Beobachtungen 
neben NaCl und KaCl noch die Anwesenheit von NaO in den Blutscheiben und von 
KaO in dem Serum feststeht. — Endlich hat man auf den Faserstoff des Plasma’s 
aufmerksam gemacht (Zimmermann f), der sich unzweifelhaft eignen würde zu 
*) Compt. rend. XXII. 900. 
•*) ibid. XXV. 11. 
***) 1. c. p. 18. 
I) Archiv f, physiolog, Heilkunde, XI. 398,
        

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