Bauhaus-Universität Weimar

Anatomischer und chemischer Bau der Epithelien. 
1. Anatomische Eigenschaften* **)). Um ihre Aufhellung hat sich 
Henle besondere Verdienste erworben. Die geschichteten Pflasterhäute 
enthalten cylindrische, kugelige und plattenförmige Zellen. Die zuerst 
genannte Formation, welche meist mit länglichen Kernen versehen ist, 
sitzt unmittelbar auf der Cutis auf (KöHiker). Ueber dieser finden sich 
mehrere Lagen von kleinen Kugelzellen, die immer einen relativ grossen 
Kern einschliessen, welcher nahebei den ganzen Binnenraum der Zellen 
ausfüllt; in den noch weiter nach aussen gelegenen Schichten trifft 
man dann grössere Zellen, deren Form die Mitte half zwischen der Ku¬ 
gel und Platte, und endlich sind die äussersten Lagen aus Plättchen ge¬ 
bildet; der geringe Binnenraum in diesen platten Zellen ist durch einen 
Kern ausgefüllt, welcher an Grösse den der kugeligen kaumü hertrifft.— 
Zwischen den Zellen der tieferen Schichten findet sich noch etwas Flüs¬ 
sigkeit ergossen, die zwischen den oberflächlicheren fehlt. 
Die Gesammtzahl der Zellen, welche in einem senkrecht gegen die 
Cutis geführten Schnitte übereinander liegen (oder die Dicke der Epider¬ 
mis), und ebenso die Verhältnisszahl zwischen cylindrischen und kugeli¬ 
gen einerseits und plattenförmigen andererseits ist veränderlich mit 
den Hautstellen, deren Bedeckung sie bilden. Diese mit dem Standort 
veränderlichen Verhältnisse prägen sich schon im fötalen Leben aus (Al¬ 
bin, Krause), so dass sie als eine Folge der eingeborenen Bildungs¬ 
mechanismen angesehen werden müssen. Die Messungen von Krause, 
Kö Hiker und Wendt stellen heraus, dass die Dicke der gesammten 
Oberhaut am mächtigsten in der Fusssohle und den Handtellern, am ge¬ 
ringsten an dem Kinn, den Lippen, der Stirn, den Wangen, den Augen¬ 
lidern und dem äussern Gehörgang ist. In einzelnen Fällen übertrifft 
die Zahl der übereinander geschichteten Cylinder und Kugelzellen (rete 
Malpighi) diejenige der plattenförmigen (Hornschicht); für gewöhnlich 
gilt jedoch das umgekehrte. 
Die Grösse der einzelnen Zellen ist unabhängig vom Lebensalter, 
diejenigen des Neugeborenen sind eben so gross wie die des Erwachsenen. 
Hartin g* 
2. Chemische Zusammensetzung*). Die vorliegenden Untersuchun¬ 
gen beziehen sich vorzugsweise auf die Hornschicht; die aus ihnen ge¬ 
wonnenen Resultate genügen nicht, um eine Vorstellung über die quali¬ 
tative, geschweige denn über die quantitative Zusammensetzung zu gewinnen. 
a. Hornschicht. Kaltes Wasser zieht aus derselben eine salzhaltige, sauer rea- 
girende Flüssigkeit aus, welche nach altern Analysen aus Verbindungen von Ammo¬ 
niak, Natron, Kali, Eisenoxyd mit Essigsäure, Milchsäure, Phosphorsäure und 
Chlor besteben sollen (Berzelius). Kochendes Wasser löst unter Schwefelwasser- 
*) Krause, Haut in Wagner’s Handwörterbuch. II. Bd. — Harting, Recherches mikrome- 
triques. Utrecht 1845. p. 47. — Kö Hiker, Mikroskop. Anatomie. II. Bd. 1. Abth. p. V, 
Henle, Jahresbericht über allgem. Anatomie für 1850. p. 20. 
**) Mulder, Versuch einer allgemeinen physiolog. Chemie. Braunschweig, p, 548.
        

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