Bauhaus-Universität Weimar

Schmackhafte Flüssigkeiten; Art des Geschmacks. 295 
zusammengesetzt ist, zu verstehen, sondern gewisse allgemeine Ca- 
tegorien der Verwandtschaft. Denn es erzeugen z. B. den Geschmack 
des Sauren, des Kalischen, des Metallischen, des Salzigen Stoffe der 
allerverschiedenartigsten chemischen Zusammensetzung, wie z. B. 
Kali und Stibmethyliumoxyd, Schwefel- und Essigsäure, Eisen- und 
Kupfersalze u. s. w. ; gleichschmeckende Stoffe haben dagegen in dem 
etwas gemeinsames, was man ihr electrochemisches Verhalten nennt. 
Für mehrere Geschmäcke fehlt uns aher auch noch dieses gemeinsame 
Merkmal, wie z. B. für das Süsse und Bittere; wir wissen insbeson¬ 
dere nicht welches gemeinsame Merkmal den Süssigkeiten des Zuckers, 
Glycerins, Glycocolls, Plumbum aceticum u. s. w. und anderseits den 
Bitterstoffen Chinin, Salicin, der Magnesia sulfurica u. s. w. zukommt. 
Bemerkenswerth für die Beziehung zwischen den Verwandtschafts¬ 
und Geschmacksäusserungen der Atome ist noch die Erscheinung, 
dass jedes Atom neben dem allgemeinen Geschmack des Sauren, Me¬ 
tallischen u. s. w. noch einen besonderen Beigeschmack besitzt, ana¬ 
log den Besonderheiten der Verwandtschaft, die jedes Atom vor an¬ 
dern voraus hat. 
Da das Geschmacksorgan ein vielseitigeres lind ebenso allgemeines, wenn auch 
kein so empfindliches chemisches Reagens ist, wie das Lakmuspapier, so würde es 
schon im chemisch-technischen Interesse sein, die Geschmäcke genauer als bisher zu 
prüfen, und Geschmacksreihen aufzustellen, in die man begreiflich nur die entschie¬ 
den schmeckenden, chemisch reinen Verbindungen aufzunehmen hätte. Bei diesem 
Verfahren wäre ausser andern erwähnten Vorsichtsmassregeln noch Rücksicht zu 
nehmen auf die Speichelzersetzung, deren Einfluss schon Chevreul gewürdigt hat. 
ß) Der Ort der Empfindung soll in der Weise auf den Geschmack 
Einfluss üben, dass ein und derselbe Stoff an der Spitze ganz anders 
schmeckt als an der Basis der Zunge oder an den Gaumenflächen; 
Horn*). So sollen namentlich der Zungenspitze mehrere Stoffe süss 
oder sauer erscheinen, die der Gegend der umwallten Warzen bitter 
Vorkommen. Dieser Geschmackswechsel desselben Stoffes auf ver¬ 
schiedenen Flächen unseres Sinnes gilt nun wohl nicht in der Ausdeh¬ 
nung, wie ihn Horn zuerst behauptete, jedoch ist er für einzelne Stoffe, 
namentlich für Salze, ausgesprochen genug. Auch dieser Gegenstand 
verdient neuere und ausgedehntere Untersuchung. 
Als Beispiele seien Hier erwähnt: 
Stoff. | 
Zungenspitze. 
Zungenwurzel. 
Stoff. 
Zungenspitze. 
Zun gen wurzel. 
KO AC 
brennencf sauer 
fadbitter 
Alaun 
sauer zusam¬ 
süsslich ohne 
menziehend. 
Säure 
Na CI 
salzig 
süsslich (?) 
Na 0 S 03 
salzig 
bitter. 
B. Die Intensität der Geschmacksempfindung bei Gegenwart flüs¬ 
siger Erreger ist abhängig von sehr zahlreichen Umständen und zwar 
*) lieber den Geschmackssinn der Menschen. Heidelberg 1825. Siehe einen Auszug mit Tabelle 
in Valentins Lehrbuch der Physiol. II. b. 301. — Guyot u. Admirault bei Longet 1. c. 
p. 166.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.