Bauhaus-Universität Weimar

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Einfluss der Accomodation und der Convergenz der Sehachsen 
auch seine Lage unveränderlich im Raume bewahrt, so wird er den¬ 
noch dem Auge sich bald zu nähern und sich bald von ihm zu entfer¬ 
nen scheinen, wenn zwischen ihn und das Auge optische Mittel einge¬ 
schoben werden, durch welche der Convergenzwinkel seiner Strah¬ 
len nach der einen oder andern Seite hin eine Aenderung; erfährt. 
Mit Rücksicht auf die Einrichtungswerkzeuge ausgedrückt bedeutet 
dieses: die auf unserer Sehhaut abgebildeten Gegenstände erschei¬ 
nen uns um so näher, je grössere Anstrengungen die Muskeln des 
Einrichtungsapparates unternehmen mussten, um das Bild deutlich 
zu entwerfen. 
Als eines der bekanntesten Beispiele für diese Angaben kann es dienen, dass 
ein Körper, welcher auf dem Boden eines leeren Glases liegt, gehoben erscheint, 
nachdem man das Glas mit Wasser füllte. Als sich nur Luft über dem leuchtenden 
Fio- 68b Punkte A, Fig. 68h, der auf dem 
çj £ B DD' ®0(*en ^es Gefässes ££ gelegen 
ist, vorfand, schickte er z. B. 
drei beliebige Strahlen A C, AB, 
AD unter dem Winkel CAD aus, 
welche wie wir voraussetzen, 
von einem in B belindlicheu 
einem 
Auge wiederum auf einen Punkt 
der Retina zusammen gebrochen 
werde». Als nun eine Flüssig¬ 
keit aufgegossen wurde, weiche 
einen höheren Drechungscoef- 
fizienten als die Luft besitzt, 
wurde aus bekannten Gründen an den Grenzflächen der Luft und der Flüssigkeit, die 
Strahlen CFnndDFilach O und D‘ (welche früher auf C und I) eintrafen) abgelenkt. 
Die von demselben Orte austretendeii Strahlen divergiren also stärker, als früher. 
Beim Sehen mit zwei Augen unterstützt der Convergenzwinkel 
der Sehachsen, oder besser ausgedrückt die ihn bestimmende Muskel¬ 
zusammenziehung, noch die Bildung eines Urtheils über die Entfer¬ 
nung der Gegenstände. Je mehr sich die Gegenstände dem Parallelis- 
mus nähern müssen, um auf einen zu sehenden Punkt einzuschneiden. 
J 
um so entfernter erscheint uns derselbe. Dieses wichtige Faktum ist 
in seiner einfachsten Gestalt von H. Meyer-*) daroesfellt 
Meyer lehrte einen Versuch, in welchem es gelingt, ein und denselben Gegen- 
stand dutch wechselnde Convergenz der Sehachsen in verschiedene Entfernungen 
zu sehen. Man fixirt, um dieses zu bewerkstelligen, einen Gegenstand seliarf und 
anhaltend, den man über einen Rohrsessel, oder eine fein gemusterte Tapete, oder 
übeihaupt übet ein Gebilde hält, in welchen dieselben Formen in regelmässiger 
Wiederkehr vorhanden sind. Beachtet man nun auch die Figuren dieses Gebildes, 
während man den Fixationspunkt unverrücklich erhält, so rücken dieselben sehr bald 
in die Ebene des scharf gesehenen Gegenstandes. Der Versuch gelingt am besten, 
wenn man die fixirteu Punkte in nicht zu grosse Entfernung von dem Rohrsessel 
legt. Die Figur 69 erläutert, warum diese Erscheinung am leichtesten erzeugt 
) Archiv für pbyaiolog. Heilkunde. I. Bd. — B re vrste r, Philosoph Magaz. XXX. 366.
        

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