Bauhaus-Universität Weimar

Urtheil über die Grösse aus dem Seïiwinkel und der Accomodation. 251 
Der physiologische Grund dieses Uriheils kann nur darin liegen, 
dass die durch die Retina gehenden Eindrücke von der Seele als eine 
Summe von Empfindungseinheiten aufgefasst werden, so dass die 
Seele die Ausbreitung des Bildes direkt durch die Grosse dieser 
Summe misst. Wir wissen nicht wie diese Maasseinheit hergestellt 
werde, nehmen wir aber z. B. an, es sei die Maasseinheit die Empfindling, 
welche eine Primitivröhre in das Hirn sendet, so würde die Vorstel¬ 
lung“ von der Grösse eines Bildes wachsen mit der Summe der Primi- 
o 
tivröhren, welche von demselben erregt wurden. 
Alles andere gleichgesetzt und namentlich den Sehwinkel und 
die Convergenz unserer Augenachsen verkleinert sich in unserem 
Urtheil ein Bild mit wachsender Einrichtung unseres Auges für die 
Nähe. Den scharfen Berveiss für diese Behauptung liefert ein schon 
seit lange bekannter Versuch : man erzeuge sich das Nachbild einer 
Kerzenflamme und betrachte dieses mit einem Auge, bald während 
man das Auge zum Sehen in die Ferne einrichtet (d. h. während man 
z. B. auf die entfernte Wand des Zimmers sieht) und bald während 
man für die Nähe accommodirt hat. Dieses Bild wird, rrenn man vom 
fernen zum nahen Sehen übergeht, trotzdem dass es immer densel¬ 
ben Raum auf der Retina einnimmt, um ein sehr beträchtliches an 
Grösse abzunehmen scheinen. 
Die bis dahin envahnten Elemente machen sich geltend, beim 
Sehen mit einem und mit ZAvei Augen; — hierzu kommt nun aber 
noch ein weiteres, welches vorzugsweise beim Binocularsehen sich 
einflussreich erweist. Unser Urtheil über die Grösse eines Gegen¬ 
standes, der mit ZAArei Augen betrachtet wird, hängt auch ab von dem 
Convergenzwinkel der Sehachse beider Augen; und ZAArar gilt nach 
H. Meyer*) der Grundsatz, dass alles andere gleichgesetzt, die 
Grösse des Bildes in dem Maasse abnimmt, in weichem der Conver- 
genzwinkel der Sehachsen Avächst. 
Fig. 6T. 
r. 
Den Beweis für* dieses 
Gesetz liefert Meyer mit¬ 
telst desSpiegelstereosko- 
pes von AV h e a t s t o n e. 
U Dieses Instrument, Fig. 67, 
Il b esteht a heraus zwei unter 
einem rechten Winkel auf- 
gestellten Spiegeln S S', 
welche auf eine Holzplatte 
HH so befestigt sind, dass 
sie ihre Winkel und ihre 
spiegelnden Flächen von 
der Platte abwenden. 
Platte und Spiegel sind in 
!*ölzi*r*K*n , vor»» ttf 
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