Bauhaus-Universität Weimar

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N. glossopharyngeus. 
Nervus glossopliaryngeus*). 
Vom Boden der Rautengrube, unmittelbar über dem calamus scrip- 
torius dringen aus der grauen Substanz die Wurzeln des Nerven durch 
die corpora restiformia; eine Kreuzung der Ursprungsfasern im Hirn 
ist noch nicht sicher beobachtet, wohl aber vermuthet. — Es ist wahr¬ 
scheinlich, dass die Grenzbündel zwischen n. glossopharyngeus und n, 
vagus bald in den einen und bald in den andern Nerven gefasst werden. 
Der Stamm ist aus 3500 bis 4000 Röhren dargestellt. Ausser in den 
bekannten Stammganglien finden sich an seiner Verbreitung in der 
Zunge Ganglienkugeln an ihn gelagert. 
Der Nerv enthält öfter, wenn nicht immer, motorische Fasern, 
welche zu den m. stylopharyngeus, constrictor faucium médius, rn. leva¬ 
tor palati mollis und m. azygosuvulae treten. 
Fasern, deren Erregung Tastempfindung erzeugt, scheint der Nerv 
wenige zu führen, indem seine Verletzung bei empfindlichen Thieren 
nur geringe Schmerzensäusserungen erzeugt; die peripherische Ver¬ 
breitung der sensiblen Elemente dürfte auf dieselben Stellen, wie die 
der schmeckenden geschehen. Vorzugsweise ist er dagegen Ge¬ 
schmacksnerv, und namentlich scheint er die Geschmacksempfindung 
der Zungenwurzel und des weichen Gaumens zu vermitteln. 
Die verschiedenen Angaben bezüglich der motorischen Wirkungen unseres Ner¬ 
ven können nur aus Verschiedenheiten in der Zusammenfassung der Wurzelbündel 
erläutert werden. — Der Mangel oder vielmehr die geringe Menge sensibler Fasern 
im m. glossopharyngeus erhellt deutlich aus den Resultaten seiner Durchschneidung; 
ein gleicher schmerzerzeugender Angriff auf gleichgrosse Aeste des trigeminus oder 
den ramus laryngeus superior n. vagi erzeugt viel heftigere Schmerzensäusserungen. 
Das Verschwinden einiger reflektorischer Bewegungen nach Durchschneidung des n. 
glossopharyngeus beweisst nichts für die speziell empfindliche Natur der betreffenden 
Nervenröhren, weil auch die Geschmacksnerven Reflexbewegungen, analog den Wir¬ 
kungen aller Sinnesnerven, auslösen können. Nach neueren Untersuchungen wird es 
mehr als nur wahrscheinlich, dass der n. glossopharyngeus der einzige Geschmacksnerv 
gewisser Säugethiere, z. B. der Katzen, ist. Denn ans allen guten Versuchen erhellt, 
dass widerlich bitter schmeckende , geruchlose Substanzen (Chinin, Coloquin- 
thenabsud) von dem Thier, dessen trigeminus durchschnitten war, selbst nach länge¬ 
rem Fasten niemals genossen werden, so lange der n. glossopharyngeus erhalten ist; 
diese Substanzen werden dagegen ohne den geringsten Widerwillen aufgenomraen, 
sowie man den n. glossopharyngeus durchschnitten und den n. trigeminus erhalten 
hat. Beim Menschen sind die Thatsachen zweifelhafter. Hier sind allerdings Fälle 
bekannt, wo nach alleiniger und scheinbar vollkommener Lähmung des n. trigeminus 
die Geschmacksempfindung der Zungenspitze erhalten war; es stehen ihnen aber 
andere entgegen, wo unter gleichen Umständen sie erloschen gefunden wurde. 
Wenn man als Gegenbeweis gegen die Geschmacksfunktion des n. trigeminus gel¬ 
tend macht, dass man bei sogenannten Hyperästhesien des n. trigeminus (d. h. bei 
vom Hirn ausgehenden krankhaften Erregungen) keine subjektiven Geschmacks- 
*) Stannius. Ueber die Funktionen der Zun gennerven. Müllers Archiv 1848. — Ro mb erg, 
Nervenkrankheiten. I. Bd. 256. — Mayer, diss. sistens paralyseos nervi trigemini casum. 
Fref. ad. Moen. 1847. — Kölliker, Mikroskop. Anatomie IT. b. 33. u. Verhandlungen d. physik. 
medizinischen Gesellschaft II. 169. — Riffi u. Morganti, Su i nervi della lingua etc. in Va- 
lentin, Jahresbericht über 1846.197,
        

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