Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die fundamentalen Eigenschaften des Nerven unter Einwirkung einiger Gifte
Person:
Wedensky, N. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit12321/18/
Die fundamentalen Eigenschaften des Nerven etc. 
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weniger anhaltenden Wirkung der tetanisirenden Reize. In der 
That ist es ganz leicht, sich von dem angegebenen Unterschiede zu 
überzeugen, wenn man die Reizung des Nerven unterhalb der 
narkotisirten Strecke vornimmt; die Reizerfolge werden sogleieh ganz 
andere sein als die durch die Reizung I hervorgerufenen. 
Bemerkungen zu den sämmtlichen Protokollen. 
Als Beispiel führe ich einige Protokolle meiner Versuche an. Mögen sie 
eine mehr konkrete Vorstellung von dem Verlauf und der Nacheinanderfolge der 
Veränderungen, welche die Reizbarkeit und die Leitungsfähigkeit mit dem Fort¬ 
schreiten der Giftwirkung erfahren, geben. 
In der Spalte „Reizschwelle“ drücken alle in gewöhnlicher Weise angeführten 
Zahlen den dieser Schwelle entsprechenden Rollenabstand des Inductoriums in 
Centimetem aus. Dagegen beziehen sich die Zahlen, welche in Klammern von der 
Form [] eingeschlossen sind, auf gewisse speciell dabei angegebene Reizerfolge. 
Wollte man als Reizschwelle für das Telephon diejenige Intensität annehmen, 
bei der die tetanisirenden Inductionsströme den der Reizung entsprechenden 
Ton hervorzubringen beginnen, so würde diese Intensität auch gerade hinreichend 
sein, um den Muskel in einen vollkommenen Tetanus zu versetzen. In diesem 
Falle wäre also ein und derselbe Schwellenwerth für die beiden Nervenanzeiger 
maassgebend. Jedoch lassen sich alle zu beobachtenden Erscheinungen nicht unter 
ein solches Maass bringen. In gewissen Bedingungen erfahren die Reizerfolge des 
Nerven eine solche Veränderung, dass es bei keiner Stromintensität bis zum echten 
Tetanus am Muskel oder bis zu dem entsprechenden Ton im Telephon gelangt. 
Desshalb habe ich vorgezogen, in meinen Protokollen als Schwellenwerth diejenigen 
Ströme zu bezeichnen, welche am Muskel die schwächsten Contractionen, sei es 
nun von einem grob rhythmischen oder von unregelmässigem Charakter, und am 
Telephon eben wahrnehmbare Geräusche resp. rhythmisch-auftretende und ver¬ 
schwindende Töne (quasi-Schwebungen, was öfters bei schwachen tetanisiren¬ 
den Reizen der Fall ist und den Eigenschaften des physiologischen, nicht des 
physikalischen Apparates zukommt) hervortreten lassen. 
Bei dieser Annahme findet man an der Reizscala zwischen den Reizschwellen 
des Muskels und des Telephons einen Unterschied von 1—3 cm, und zwar zu 
Gunsten des ersteren, d. h. in diesen Grenzen ist noch nichts im Telephon wahr¬ 
zunehmen, während der Muskel schon einige (sei es nicht alle Bündel er¬ 
greifende, sehr unregelmässige) Contractionen zeigt1). 
1) Wie ich annehmen muss, liegt der Grund der grösseren Empfindlichkeit 
des Muskels einerseits in der Fähigkeit der Endplatten, schwache Erregungen 
der Nervenfiber zu summiren (was mit ihrer Transformation zu einem selteneren 
Rhythmus verbunden ist; s. Archives de physiologie, 1891, p. 64), und anderer¬ 
seits in einer sehr geringen Empfindlichkeit des Telephons [unseres Ohres?] den 
unregelmässig-periodischen elektrischen Oscillationen gegenüber (ibidem, p. 258). 
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