Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die fundamentalen Eigenschaften des Nerven unter Einwirkung einiger Gifte
Person:
Wedensky, N. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit12321/12/
Die fundamentalen Eigenschaften des Nerven etc. 
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einen schwachen, dumpfen und durch Nervengerâuschë 
complicirten Ton im Telephon wahrnehmen lässt (Phänomen a). 
Die bezeiehnete Veränderung im Charakter des Nerventones ent¬ 
wickelt sich selbstverständlich nicht auf einmal, sondern allmählich 
mit dem Fortschreiten der Giftwirkung und mit dem Sinken der 
Reizbarkeit in der der Vergiftung unterliegenden Strecke. Es ist aber 
lehrreich, dass dieselbe schon zu der Zeit (Protokoll I, Beobach¬ 
tung 12; Protokoll IV, Beobachtung 9) ganz ausgesprochen ist, wo 
die Methode der minimalen Reize uns noch keine Modification 
der Leitungsfähigkeit verräth. Indessen muss man nach der telepho¬ 
nischen Methode schliessen, dass zu diesem Momente schon eine 
tiefe Umwandlung1) in der Leitung der Erregungswellen von ver¬ 
schiedener Intensität und besonders in der Leitung der 
starken Erregungen eintritt, da es sonst ganz unbegreiflich wäre, 
wie die letzteren einen ebenso schwachen Ton wie auch die massigen 
Erregungen geben könnten. 
Das telephonische Zeugniss erweckte dessbalb ein grosses Inter¬ 
esse. Dasselbe musste durch den Muskel unterstützt und erläutert 
werden. Als ich mit gesteigerter Aufmerksamkeit die Contractionen 
des Muskels untersuchte, beobachtete ich, dass die durch die Rei¬ 
zung I hervorgerufenen Tetani in einem bestimmten Stadium der Gift¬ 
wirkung scharf abnehmen, und zwar erzeugen sehr starke tetanisirende 
Ströme ebenso schwächere Contractionen wie auch sehr massige 
Ströme (Phänomen ß). Es war kein Zweifel, dass der Erfolg keines¬ 
wegs einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Endapparates zu¬ 
geschrieben werden konnte, da die unterhalb der Vergiftungsstrecke 
angebrachten Reize noch vollkommen das Vermögen besassen, sehr 
energische Contractionen hervorzurufen. 
Beim weiteren Verlaufe der Giftwirkung macht das eben be¬ 
sprochene Phänomen dem folgenden Platz. Die starke Tetanisirung I 
erzeugt im Muskel nur eine Anfangszuckung' (manchmal auch eine 
Endzuckung), oder garnichts, während eine massige Reizung noch 
nicht zu verschmähende Tetani bewirkt (Phänomen y). Die Myo¬ 
gramme 1 u. 2 mögen diese merkwürdige Erscheinung veranschau- 
1) Ich will hier nicht den inneren Sinn der bezeichneten Umwandlung im 
rhythmischen Charakter der Erregungen analysiren. Speciell im Bezug auf diesen 
Fall soll das an einer anderen Stelle gemacht werden; vom allgemeinen Gesichts¬ 
punkte wurde dieser Gegenstand schon besprochen in meinen früheren Schriften; 
s. Archives de physiologie p. 58—73, p. 254—266, 1891; p. 50—60, 1892.
        

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