Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 6., umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit1160/298/
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Gefühlselemente des Seelenlebens. 
es sich auf die Registrierung der Volumpulse der Hand beschränkt, und bei 
der man, wie bei dem Sphygmographen, Luftübertragung verwendet, für 
psychologische Zwecke wegen der relativen Einfachheit seiner Anwendung und 
der ziemlich treuen Wiedergabe auch der sphygmographischen Kurven vor 
dem Hydroplethysmographen Mossos den Vorzug. Überhaupt aber bedarf 
die Anwendung des Instrumentes großer Vorsicht zur Vermeidung von Fehler¬ 
quellen. So können namentlich unwillkürliche Bewegungen der im Wasser¬ 
gefäß befindlichen Hand mehr oder minder starke Oszillationen erzeugen, die 
sich mit den Volumkurven vermischen oder sie ganz überdecken1. Für 
exakte Versuche ist daher die sphygmometrische und pheumographische Methode 
in unabhängiger Anwendung im ganzen vorzuziehen, wozu dann in einzelnen 
Versuchen das Plethysmogramm, da dieses das einzige Hilfsmittel zur Regi¬ 
strierung der durch die Gefäßinnervation verursachten Volumschwankungen 
bleibt, hinzutreten kann. Ebenso leistet das letztere für Demonstrationsversuche, 
bei denen man die Gesamtwirkung von Gefühlen oder Affekterregungen einem 
größeren Zuschauerkreis vorführen will, vortreffliche Dienste, falls man zu¬ 
gleich über eine durch Gefühlseindrücke leicht erregbare Versuchsperson ver¬ 
fügt. Nicht zu empfehlen ist es dagegen, eine weitere Vereinfachung der 
plethysmographischen Methodik dadurch zu erzielen, daß man kleinere Ex¬ 
tremitätenteile, z. B. einzelne Finger, zur Gewinnung von Volumpulskurven 
verwendet, wie bei dem sinnreich konstruierten Sphygmomanometer Mossos, 
dem Volumsphygmographen von François-Franck, dem Apparat von Hallion 
und Comte u. a. Bei diesen Apparaten spielt der veränderliche Turgor der 
Gewebe eine so überwiegende Rolle, daß die Eigentümlichkeiten der Volum¬ 
kurven verdeckt werden. Bei starker Abkühlung der Finger pflegen diese dann 
ganz zu verschwinden2. 
Zur Untersuchung des unter dem Einfluß von Gefühlszuständen oder auch 
von andern physischen und psychophysischen Bedingungen sich sehr verschie¬ 
den gestaltenden Verlaufs der Muskelermüdung pflegt man endlich den eben¬ 
falls zuerst von Mosso angegebenen Ergographen anzuwenden (Fig. 228). 
Das Instrument besteht aus zwei voneinander getrennten Teilen, einem auf 
dem Arbeitstisch festgeschraubten Armbrett, in welchem der Vorderarm durch 
Kissen und Zeige- und Ringfinger in Messingröhren unverrückbar fixiert wer¬ 
den, so daß allein der Mittelfinger, dessen Arbeit untersucht wird, beweglich 
bleibt. An dem Mittelglied dieses Fingers ist mittels einer umschließenden 
Metallkapsel eine Schnur befestigt, die über eine Rolle läuft und das Be¬ 
lastungsgewicht trägt. Man läßt den Finger gewöhnlich in rhythmischen 
Pausen seine Kontraktionen ausführen, deren Umfang nun entweder direkt 
an einem Zentimetermaßstab, an dem sich eine Marke der horizontal aus- 
1 Götz Martius, Beiträge zur Psychologie und Philosophie, I, S. 430. Zur Frage 
der Verwendung des Plethysmographen überhaupt W. Gent, Philos. Stud. Bd. 18, S. 725. 
2 Vgl. Hallion et Comte, Arch, de physiol. 1894, p. 381. Über Mossos Sphygmo¬ 
manometer Kiesow, Philos. Stud. Bd. 11, 1895, S. 41 ff. Arch. ital. de biologie, t. 23, 
1S95, p. 198. Verschiedene Forscher haben trotz dieser Übelstände die plethysmographi¬ 
schen Vorrichtungen dieser Art, wie es scheint, deshalb bevorzugt, weil sie der Meinung 
sind, es sei besonders wertvoll, den Zustand der kleinsten Gefäße, den »pouls capillaire« (?), 
zu untersuchen. Binet et Vaschide, Année psychol., t. 3, 1897, p. 127. J. R. Angell 
and B. Thompson, Psychol. Review, vol. 6, p. 32. Weitere Modifikationen des Mosso- 
schen Plethysmographen rühren von Marey, A. Fick, Hürthle, Kronecker her. Vgl. 
über einige derselben Langendorff, Physiol. Graphik, S. 237 fr.
        

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