Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge der physiologischen Psychologie, 2. Band, 6., umgearbeitete Auflage
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit1160/286/
278 
Gefïihlselemente des Seelenlebens. 
wo sie innerhalb einer zusammengehörigen Gruppe möglichst weit von¬ 
einander entfernt sind. Das erstere trifft im allgemeinen dann zu, wenn 
die paarweise Vergleichung die Anordnung bestimmter zusammengehöriger 
Gefühle in eine Reihe vorbereiten soll; das letztere oder die Methode 
der Kontrastvergleichung ist hauptsächlich dann förderlich, wenn 
es sich um die scharfe Unterscheidung verschiedener subjektiver Zustände 
handelt. 
b. Die Ausdrucksmethode. 
Der Ausdrucksmethode fallen an und für sich alle physischen Symp¬ 
tome zu, durch die sich Gefühle und aus Gefühlen zusammengesetzte Ge¬ 
mütsbewegungen nach außen kundgeben. Manche dieser Symptome 
treten aber in der Regel erst bei einer Häufung der Gefühlswirkungen, 
wie die Verbindung der Gefühle zu Affekten und Willensvorgängen sie 
mit sich führt, deutlich hervor. Dies gilt namentlich von den mimischen 
und pantomimischen Bewegungen, diesen wichtigen Bestandteilen aller 
lebhafteren Gemütsbewegungen. Da sie bei den einfachen Gefühlen nur 
in spurweisen Andeutungen vorzukommen pflegen, so werden sie hier 
um so mehr außer Betracht bleiben können, als sie in ihren ausgepräg¬ 
teren Formen für die später zu erörternden Affekte besonders charakte¬ 
ristisch sind (Abschn. IV). Das Gebiet der Ausdrucksmethode in seiner 
Anwendung auf die Gefühlselemente des Bewußtseins bleibt daher auf 
diejenigen physiologischen Symptome eingeschränkt, die zumeist nicht 
unmittelbar äußerlich sichtbare, dafür aber um so konstantere Erschei¬ 
nungen sind. Es sind das diejenigen Ausdruckssymptome, die in Ver¬ 
änderungen der Innervation der Atmung, des Herzens und der 
Blutgefäße bestehen. Unter ihnen reichen die Atmungssymptome teil¬ 
weise in das Gebiet der äußeren Ausdrucksbewegungen hinüber, da sie 
sich bei gesteigerter Intensität zuweilen schon der unmittelbaren Beob¬ 
achtung zu erkennen geben. Auch sind sie die einzigen unter diesen 
Erscheinungen, die dem direkten Einfluß des Willens nicht ganz ent¬ 
zogen sind. Immerhin erfolgen sie im normalen Verlauf der Prozesse 
ebenso unwillkürlich wie die übrigen. Jedenfalls aber sind sie nur als 
unwillkürliche Erscheinungen im Zusammenhänge mit den andern Hilfs¬ 
mitteln der Ausdrucksmethode verwertbar, und es fordert daher dieser 
Punkt stets besondere Beachtung, um so mehr, da die Atmungsbewe¬ 
gungen unter Umständen die übrigen, vom Blutgefäßsystem herrührenden 
Erscheinungen, Puls und Gefäßinnervation, stark verändern, so daß da¬ 
durch indirekt auch solche Einflüsse, die an sich mit den zu unter¬ 
suchenden Gefühlen gar nichts zu tun haben, die Symptome trüben 
können.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.