Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die psychologischen Grundlagen der Vergleichung gehobener Gewichte
Person:
Müller, G. E. Fr. Schumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit10913/35/
Gober die psycholog. Grundlagen der Vergleichung gehobener Gewichte. 71 
von Goldsche id er (a. a. O. S. 97), nach denen passive Bewe¬ 
gungen des Fingers weniger leicht wahrgenommen werden, wenn 
ein starker faradischer Strom durch das Gelenk geleitet wird, als 
dann, wenn er durch das bewegte Glied hindurchströmt. 
Ausser den Lageemptindungcn sollen nun noch nach Vierordt 
(Zcitschr. f. Biologie, 12, 1870, S. 22G ff.) und Goldscheider 
besondere Empfindungen existiren, welche uns Uber die Bewegung 
unserer Glieder Auskunft gehen. Der erstere stützt seine Ansicht 
auf einige Scheinbewegungen, die der eine von uns (S.) im 
Zusammenhang mit optischen Scheinbewegungen, denen sie analog 
sind, an anderer Stelle behandeln wird. Goldscheider (a. a. 0. 
S. 115) führt eine Reihe anderer Gründe dafür an, dass es eine 
specifiscbe, durch die Gelenksensibilität vermittelte Bewegungsem¬ 
pfindung gebe, deren Ursache nicht sowohl die Erschütterung des 
Gelenks bei der Bewegung als vielmehr die Drehung der Gelenk¬ 
enden sei. Die von Goldscheider hierfür angeführten Gründe 
lassen sich theilweisc leicht als nicht stichhaltig darthun, theilweisc 
aber bestehen sie in wichtigen Versuchsthatsacheu, die allerdings 
noch zu einigen Fragen und Bedenken Anlass geben, deren Erör¬ 
terung aber zu weitläufig sein müsste, als dass wir hier darauf 
cingchen könnten. Wir begnügen uns damit, hier in eine kurze 
principielle Erörterung über das Verhältnis von Lageempfindung 
und Bewegungsempfindung einzutreten. 
Bei Bewegung eines Gliedes sind hinsichtlich der durch die¬ 
selbe bewirkten Empfindungen folgende Fälle möglich : 
1) Es seien a,, a2, a3 u. s. w. die Gliedlagen, welche bei der 
Gliedbewegung durchlaufen werden. au «2, a3 u. s. w. seien die 
Lageempfindungen, welche vorhanden sind, wenn die Gliedlagen 
a1( a2, a3 u. s. w. andauernd vorhanden sind. Alsdann kommt 
erstens die Annahme in Frage, dass bei der Bewegung, bei wel¬ 
cher die Gliedlagen a„ a2, a3 u.^s. w. durchlaufen werden, eben 
diese Lageemptindungen o„ «3 u. s. w. mit der gleichen Be¬ 
schaffenheit und mit Erreichung der gleichen Intensitätshöhe wie¬ 
der auftreten, in der Weise, dass nur ihre zeitliche Dauer eine 
andere ist als in dem Falle, wo jene Gliedlagen einzeln länger 
andauern. 
Setzen wir nun diesen Fall, so kann die Vorstellung von der 
Bewegung des Gliedes principiell betrachtet erstens dadurch zu 
Stande kommen, dass die Emptinduugeu a,, a2, a3 u. s. w., särnmt-
        

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